Sagenhaftes Deutschland – Die Melusinensage von Schloss Staufenberg

Der Schwarzwald im Westen Baden-Württembergs ist magisch.

Viele alte Häuser, kleine Pfade und Burgruinen ziehen sich durch die grünen Wälder, Hügel und Felder.

Von einem gar mystischen Gefühl wird man überfallen, wenn man von oben auf die mit Nebel bedeckten  Täler hinabschaut.

 

 

Auch einige Sagen und Legenden drehen sich um den Schwarzwald, die alten Adelsfamilien des 11. Jahrhunderts und deren Burgen. Auch im Weindorf Durbach bei Offenburg steht eine Burg, die vermutlich von den Staufern erbaut wurde. Diese steht nördlich des kleinen Örtchens  und schmückt die Felsnase eines 383 Meter hohen Weinbergs.

 

Niedergeschrieben wurde die Sage über den Ritter Diemringer von Staufenberg und der schönen Melusine vermutlich von Egendorf von Staufenberg, der von 1285 bis 1320 lebte und das zusammenfasste, was ihm als kleiner Junge im Schloss Staufenberg mündlich und schriftlich weitergegeben wurde.

So entstand die Sage über einen Jüngling namens Sebald und der schönen Melusine:

melusinenesage

Der Sohn des Amtmanns von Staufenberg, Sebald,  liebte Vögel. Er ging fast täglich in den Wald und sah nach ihnen, fing sie und verkaufte sie sogar im Dorfe.

Eines Tages im Walde hörte er einen unbekannten Gesang, der eher an ein menschliches Wesen erinnerte, als an einen Vogel.

Der Jüngling blickte sich um und entdeckte nach einiger Zeit endlich ein unvergleichlich schönes Weibe im Busch, welches flehend zu ihm hochblickte.

Sie sagte zu ihm, sie habe ihn erwartet und er solle sie mit Küssen erlösen. Sie heißt Melusine und sie habe einen Schatz, der seiner sein könne, wenn er sie drei Morgende hintereinander küsse – auf beide Wangen und den Mund.

Als die schöne Melusine aus dem Busch trat, sah der Jüngling ihre vollendete Gestalt. Sie hatte keine Finger und statt zweier Beine einen Fischschwanz.

Sebald, überwältigt von ihren blauen Augen und ihrem langen, blonden Haaren, gab ihr die ersten 3 Küsse. Die Melusine freute sich und kroch zurück in den Busch, wo sie wieder begann zu singen: „Komm erlöse deine Braut und hüte dich davor zu erschrecken, auch am dritten Tage! Nimm dich in acht, Sebald!“

Nach kurzer Zeit verschwand die Melusine und Sebald ging zurück ins Schloss, wo er von seinem seltsamen Erlebnis nichts erzählte.

Gleich am nächsten Morgen eilte Sebald zur besagten Stelle zurück und hörte bereits in der Ferne die Melusine singen. Diesmal hatte sie Flügel und einen Drachenschweif, doch trotzdem hatte er keien Furcht ihr das zweite Mal die Küsse zu geben. Sie bedankte sich wie am Tage davor und verschwand.

Auch am dritten Morgen ging Sebald zur schönen Melusine, nur hatte sie statt ihres Kopfes einen Krötenschädel und ein Drachenschwanz räkelte sich um ihren Körper. Den Jüngling packte die Angst und er bat Melusine um die Entblößung ihres Gesichtes. Sie antwortet mit einem lauten „NEIN“ und näherte sich ihm, um die letzten Küsse zu bekommen.

Zwei Jahre vergingen und Sebald näherte sich kein einziges Mal dem Wald oder der Stelle, an der er Melusine getroffen hatte.

Auch er musste bald heiraten, die Tochter eines Amtvogts. Am Tage der Hochzeit saßen alle beim Festmahle im Schloss von Staufenberg. Plötzlich spaltete sich die Decke, ein Drachenschwanz durchbrach den Raum und ließ einen kleinen Tropfen Gift unbemerkt in Sebalds Mahle fallen. Ehe man den Schweif an der Decke erblickte, fiel Sebald tot zu Boden.

Das war die Rache der schönen Melusine, deren Hoffnung auf Erlösung von Sebald zerstört wurde.

Quellen: www.udoklinger.de

www.museum-durbach.de