Sagenhaftes Deutschland – Die Teufelsmühlen

Im Norden Bayerns, an der Grenze zu Hessen, befindet sich die Gemeinde Geiselbach.

Dazu gehört auch der Ortsteil Omersbach mit dem sagenumwobenen Teufelsgrund, einem eng und dicht bewaldeten Tal, in dem bis heute viele mysteriöse Dinge passiert sind.

Auf auf einer Karte von 1782 findet man dort drei Mühlen, die nahe dem Falkenbach in Betrieb sind.

Bekannt sind sie als untere, mittlere und obere Teufelsmühle.

Viele Jahre später, 1847, ist die obere Teufelsmühle auf der amtlichen Flurkarte nicht mehr zu finden und die Mühle ist innerhalb von 10 Jahren wie vom Erdboden verschluckt.

Erst 1985 wird der genaue Standort der oberen Teufelsmühle durch Grabungen wieder bekannt.

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Die mittlere Teufelsmühle hingegen, war bis 1892 in Betrieb, woraufhin auf den Grundmauern ein Jagdhaus erbaut wurde, in welches 1949 schließlich eine Gaststätte eingerichtet wurde.

Sie war an ein Ehepaar namens Fischer verpachtet, bis zum 21. Juli 1960.

Ein 25-jähriger Mann, der sich nachher als psychisch krank herausstellte, tötete mit mehreren Messerstichen den 43-jährigen Maurer Karl Fischer. Seine Frau Antoine konnte glücklicherweise rechtzeitig fliehen und 20 Stunden später wird der Mörder erfasst.

Seit diesem Zeitpunkt ist auch die mittlere Teufelsmühle in Vergessenheit geraten und erst vor wenigen Jahren wurde sie von der Gemeinde instand gesetzt und  bekommt jetzt  jährlichen Besuch von abenteuerlichen Mai-Wanderern und Touristen.

 

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Die Vorkommnisse in und um den Teufelsmühlen im Teufelsgraben sind unbestritten mysteriös und die Mühlen werden ihrem Namen gerecht.

Es ist, als würde das Tal das Unglück förmlich anziehen.

Die Kugel eines Jägers traf versehentlich den eigenen Sohn, eine Frau ertrank nachts bei der Überquerung des Geiselbachs und ein Waldarbeiter verunglückte tödlich.

Aus längst vergangener Zeit ragt sich eine Sage um die Teufelsmühlen und lassen vermuten, dass hier der Ursprung der unglücklichen Ereignisse liegt.

 

teufelsmuellerEinst standen im Teufelsgrund drei Mühlen. In einer von ihnen lebte ein verarmter Müller zusammen mit seiner Frau. Die Mühle war brüchig und der Müller hatte lange eine Plage mit der Wassermauer der Mühle. Kaum war die Mauer fertig gebaut, zog sich ein langer Spalt an ihr entlang. Der Müller war wütend, verfluchte den Riss und schrie: „Oh, soll dich doch der Teufel holen!“ Nach seinem Wunsch erschien dieser auch in großer, gefährlicher Gestalt und bot dem Müller folgendes an: Er würde den Riss in der Mauer für immer schließen, wenn er des Müllers Seele als Gegenleistung bekäme. Und sollte er es nicht schaffen, den Spalt bis zum Hahnenschrei zu schließen, so dürfe der Müller auch seine Seele behalten. Als die Frau des Müllers dies mitbekam, fürchtete sie um ihren Gatten, also legte sie sich in der selben Nach noch im Hühnerstall auf die Lauer. In den frühen Morgenstunden, als der Teufel nur noch wenige Steine zu mauern hatte, krähte sie laut: „Kikeriki“. Der Starke und Große erschrak fürchterlich, ließ seine Kelle fallen und rannte davon. Der Müller konnte nun den Rest der Spalte selbst schließen und durfte seine Seele behalten.

Quelle: www.geiselbach.de

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Sagenhaftes Deutschland – Die Loreley

Die Loreley zieht jährlich tausende Touristen und Besucher an.
Der Schiefer-Felsen am Rhein bei Sankt Goarshausen hat eine lange Geschichte und eine Menge zu erzählen.

Erstmals erwähnt wurde der Felsen in Handschriften des 10. Jahrhunderts und er diente vor allem in Karten als Wegmarke für Schiffer, da die engste Flussstelle des Rheins an der Loreley als sehr gefährlich galt.
Wegen einer Sandbank und Felsrippen trafen dort verschieden schnelle Wassermengen aufeinander und der entstandene Strudel wurde vielen Schiffern zum Verhängnis.

Heute sind die gefährlichsten Felsrippen gesprengt, doch trotzdem war das letzte Schiffsunglück erst 2011.

Die Sage der Lorelei beschäftigt sich mit einer Erklärung für die vielen Unfälle.
Sie handelt um eine Jungfrau, blond und wunderschön, die oben auf dem Felsen sitzt, von dort aus singt und die Bootsmänner so fasziniert, dass sie zum Berge hinaufsehen und abgelenkt sind, von dem magischen Gesang.

loreley von dierk schaefer auf flickr.com (CC BY 2.0)

Loreley von dierk schaefer auf flickr.com (CC BY 2.0)

In den besagten Schriften des Mittelalters wird keine Jungfrau erwähnt, jedoch wird des öfteren ein Echo erwähnt, welches an der Loreley unter dem Rauschen des Wassers zu hören gewesen sei.
Daraus lässt sich auch der Name des Felsens schließen, denn „Ley“ ist ein altes Wort für Fels und „Lore“, laut Sprachforschern, ein Begriff für rauschenden Schall.

1801 wurde die erste Geschichte über die singende Jungfrau niedergeschrieben. Sie ist ein Gedicht, eine Ballade namens „zu Barach am Rheine“ von Clemens Brenato.

In dieser Fassung heißt die Jungfrau Lore Lay und wird als Zauberin vorgestellt, die alle Männer, die ihr verfallen, in den Tod reißt.

20 Jahre später, im Jahr 1823 dichtet Heinrich Heine das Loreleylied:

loreley
Ich weiß nicht was soll es bedeuten
Daß ich so traurig bin;
Ein Märchen aus alten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.
Die Luft ist kühl und es dunkelt,
Und ruhig fließt der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkelt
Im Abendsonnenschein.
Die schönste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar,
Ihr goldenes Geschmeide blitzet,
Sie kämmt ihr goldenes Haar.
Sie kämmt es mit goldenem Kamme
Und singt ein Lied dabey;
Das hat eine wundersame,
Gewaltige Melodei.
Den Schiffer, im kleinen Schiffe,
Ergreift es mit wildem Weh;
Er schaut nicht die Felsenriffe,
Er schaut nur hinauf in die Höh´.
Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schiffer und Kahn;
Und das hat mit ihrem Singen
Die Lore-Ley getan.

Heinrich Heine, 1823

Quelle: https://www.loreley.de/loreley/lorelied.htm

Einige Jahre Später wird dieses zusammen mit Friedrich Schiller vertont und es ist bis heute ein bekanntes Lied, welches auch schon in englischer Fassung aufgenommen worden.

Seit dem 19. Jahrhundert haben sich aus der 1801 erstmals aufgeschriebenen Geschichte viele verschiedene Sagen rund um die Loreley und die Jungfrau entwickelt, die weitergegeben und niedergeschrieben wurden.

Eine der schönsten Fassungen stammt von zwei weiteren Meistern der Literatur, den Gebrüder Grimm.
Hören Sie hier als Hörbuch: Die Loreley

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Sagenhaftes Deutschland – Die Melusinensage von Schloss Staufenberg

Der Schwarzwald im Westen Baden-Württembergs ist magisch.

Viele alte Häuser, kleine Pfade und Burgruinen ziehen sich durch die grünen Wälder, Hügel und Felder.

Von einem gar mystischen Gefühl wird man überfallen, wenn man von oben auf die mit Nebel bedeckten  Täler hinabschaut.

 

 

Auch einige Sagen und Legenden drehen sich um den Schwarzwald, die alten Adelsfamilien des 11. Jahrhunderts und deren Burgen. Auch im Weindorf Durbach bei Offenburg steht eine Burg, die vermutlich von den Staufern erbaut wurde. Diese steht nördlich des kleinen Örtchens  und schmückt die Felsnase eines 383 Meter hohen Weinbergs.

 

Niedergeschrieben wurde die Sage über den Ritter Diemringer von Staufenberg und der schönen Melusine vermutlich von Egendorf von Staufenberg, der von 1285 bis 1320 lebte und das zusammenfasste, was ihm als kleiner Junge im Schloss Staufenberg mündlich und schriftlich weitergegeben wurde.

So entstand die Sage über einen Jüngling namens Sebald und der schönen Melusine:

melusinenesage

Der Sohn des Amtmanns von Staufenberg, Sebald,  liebte Vögel. Er ging fast täglich in den Wald und sah nach ihnen, fing sie und verkaufte sie sogar im Dorfe.

Eines Tages im Walde hörte er einen unbekannten Gesang, der eher an ein menschliches Wesen erinnerte, als an einen Vogel.

Der Jüngling blickte sich um und entdeckte nach einiger Zeit endlich ein unvergleichlich schönes Weibe im Busch, welches flehend zu ihm hochblickte.

Sie sagte zu ihm, sie habe ihn erwartet und er solle sie mit Küssen erlösen. Sie heißt Melusine und sie habe einen Schatz, der seiner sein könne, wenn er sie drei Morgende hintereinander küsse – auf beide Wangen und den Mund.

Als die schöne Melusine aus dem Busch trat, sah der Jüngling ihre vollendete Gestalt. Sie hatte keine Finger und statt zweier Beine einen Fischschwanz.

Sebald, überwältigt von ihren blauen Augen und ihrem langen, blonden Haaren, gab ihr die ersten 3 Küsse. Die Melusine freute sich und kroch zurück in den Busch, wo sie wieder begann zu singen: „Komm erlöse deine Braut und hüte dich davor zu erschrecken, auch am dritten Tage! Nimm dich in acht, Sebald!“

Nach kurzer Zeit verschwand die Melusine und Sebald ging zurück ins Schloss, wo er von seinem seltsamen Erlebnis nichts erzählte.

Gleich am nächsten Morgen eilte Sebald zur besagten Stelle zurück und hörte bereits in der Ferne die Melusine singen. Diesmal hatte sie Flügel und einen Drachenschweif, doch trotzdem hatte er keien Furcht ihr das zweite Mal die Küsse zu geben. Sie bedankte sich wie am Tage davor und verschwand.

Auch am dritten Morgen ging Sebald zur schönen Melusine, nur hatte sie statt ihres Kopfes einen Krötenschädel und ein Drachenschwanz räkelte sich um ihren Körper. Den Jüngling packte die Angst und er bat Melusine um die Entblößung ihres Gesichtes. Sie antwortet mit einem lauten „NEIN“ und näherte sich ihm, um die letzten Küsse zu bekommen.

Zwei Jahre vergingen und Sebald näherte sich kein einziges Mal dem Wald oder der Stelle, an der er Melusine getroffen hatte.

Auch er musste bald heiraten, die Tochter eines Amtvogts. Am Tage der Hochzeit saßen alle beim Festmahle im Schloss von Staufenberg. Plötzlich spaltete sich die Decke, ein Drachenschwanz durchbrach den Raum und ließ einen kleinen Tropfen Gift unbemerkt in Sebalds Mahle fallen. Ehe man den Schweif an der Decke erblickte, fiel Sebald tot zu Boden.

Das war die Rache der schönen Melusine, deren Hoffnung auf Erlösung von Sebald zerstört wurde.

Quellen: www.udoklinger.de

www.museum-durbach.de

Sagenhaftes Deutschland – Die Uracher Brezel-Legende

Unsere Heimat steckt voller unerzählter und vergessener Sagen.

Wir möchten Ihnen mit einigen dieser Geschichten den Alltag ein wenig sagenhafter machen.

 

 

„Breze“, „Brezn“ , „Brezerl“, „Bretzet“ oder „Bretzg“ und „Bretschl“ – die Brezel hat wohl viele Namen, aber eines haben sie gemeinsam:

Der Begriff der Brezel entstand  aus dem lateinischen  Wort „bracchium“, also zu deutsch „Arm“.

 

Brezel von superscheeli auf flickr.com (CC BA-SY 2.0)

Brezel von superscheeli auf flickr.com (CC BA-SY 2.0)

 

Das salzige, geschnörkelte, in Lauge getränkte Gebäck ist nicht nur in Deutschland sehr beliebt, sondern zum Beispiel auch in den USA! Dort gibt es schon einen Tag der Brezel.

Doch woher kommt die Idee der Brezelform, wie wir sie heute kennen?

Das Laugengebäck wurde erstmals als Ring im alten Rom gegessen und blieb bis nach dem Mittelalter unverändert.

Zunächst wurde es auf christlichen Abbildungen des Abendmahls aus dem 12. Jahrhundert entdeckt (Hortus Deliciarum), wie es aber zu der Brezelform gekommen ist, die bereits damals ähnlich war, ist historisch nicht belegbar.

Aus diesem Grund haben sich im Laufe der Zeit viele Theorien zur Entstehung der Brezel entwickelt.

 

brezel

 

Die berühmteste stammt aus dem heutigen Bad Urach und führt zurück in das Jahr 1477.

Dem Uracher Bäcker Frieder drohte der Tod, da er dem Grafen Eberhard übel nachgeredet hat. Dieser war durchaus zur Gnade bereit, denn er schätze die Talente des Bäckers sehr.

 Dem Bäcker musste es gelingen ein Brot zu backen, durch welches die Sonne drei mal durchscheinen kann und dem Kaiser besser schmecken wird, als alles was er kennt. Drei Tage hatte er Zeit, um dem Kaiser ein solches Gebäck zu bringen.

Doch der Bäcker blieb ratlos und sein Tod rückte nach zwei Tagen immer näher. Am letzen Tage war der Bäcker gerade dabei einen leicht gesalzenen Hefeteig zu kneten, da er wusste, dass der Kaiser eher herzhaft isst. In aller Verzweiflung schaute er zu seiner Frau hinüber, die auch ihn, gerade mit verschränkten Armen, anblickte und gerade Fisch zubereitete. Die Form der verschlungenen Arme brachten den Frieder auf eine Idee.  Er rollte den Teig zu einer Wurst, in der Mitte dicker und an den Enden schmal und zierlich, wie die Arme seiner Frau. Er verknotete die Enden so, dass er am Ende einen Bauch und die verschränkten Arme als Gebäck vor sich liegen hatte. Er schürte sofort den Holzofen an und als er heiß war, sprang seine Katze aus der Ofenniesche und stieß an das Backblech. Alle geformten Teiglinge fielen in den großen Topf mit Lauge, welchen seine Frau zum Fisch benötigt hatte. Der Ärger war groß und der Frieder wollte von neuem beginnen, doch seine Frau bestand darauf, die verpatzten Teiglinge trotzdem zu backen, denn die Zeit war knapp. Frieder stimmte zu und in aller Eile streuten sie noch ein wenig Salzkörner darüber.

Die dünnen und knusprigen Arme mit dem weichen Bauch kamen nicht nur bei seiner Frau unglaublich gut an, denn als der Bäcker zum Kaiser rannte und ihm auf Knien das Gebäck zeigt, war dieser total begeistert. Auch die Sonne konnte gleich drei mal durchscheinen, so wie es die Aufgabe war.

So konnte der Bäcker Freier aus Urach dem Tode Entkommen und erfand dabei die berühmte Brezel, benannt nach den Armen seiner Frau.

Quelle: https://www.brezel-baecker.de/brezelgeschichte#kapitel2

https://www.instagram.com/p/BMXLZC7APbL/?tagged=brezel

Vielleicht war es wirklich ein Zufall, der zu der Erfindung und Entstehung der Brezelform geführt hat, aber es gibt Dinge auf der Welt, die durchaus ein Geheimnis bleiben können.

Und da Sie jetzt mit Sicherheit auch Lust auf eine Brezel haben: Guten Appetit !

Sagenhaftes Deutschland

Unsere Heimat steckt voller unerzählter und vergessener Sagen.

Wir möchten Ihnen mit einigen dieser Geschichten den Alltag ein wenig sagenhafter machen.

 

 

 

In Thüringen, südlich des Harzes, befindet sich das Kyffhäusergebirge. Ende des 11. Jahrhunderts errichtete dort Friedrich I. eine der größten Burgen des mittelalterlichen Deutschlands, welche im darauf gekommenen Kriege zerstört wurde und heute nur noch eine Burgruine ist.

Doch eines ist besonders an der Ruine dieser Burg, denn dort steht heute außerdem das Denkmal des Barbarossa (Bild). Friedrich I. hatte einen feuerroten Bart und wurde daher Barba-rossa genannt. Im Jahre 1155 wurde er zum Kaiser des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation gekrönt und prägte sein Reich mit Frieden und Stärke.

Er galt deshalb als sehr beliebt unter der Bevölkerung, die seinen Tod zu tiefst bedauerten. Friedrich I. starb beim dritten Kreuzzug in Kleinasien, als er im Fluss Saleph ertrank und seine Leiche nie wieder gefunden wurde. Seine Herrschaft wurde in aller Ehre durch seinen Sohn Friedrich II. weitergeführt, dennoch wollte man nicht wahr haben, dass ein solch mächtiger, gutherziger Kaiser auf solch mystische Weiße ertrinken kann.

 

 

 

Im Mittelalter begann man sich zu erzählen, wo der Kaiser sein mag und weshalb er verschwunden ist, bis Ludwig Bechstein die mündlich weitergegebene Barbarossa-Sage Anfang des 19. Jahrhunderts aufschrieb:

 

barbarossa

von Ludwig Bechstein, 1836

„Kaiser Friedrich der Rotbart unternahm einen Kreuzzug in das heilige Land, dieses den Türken zu entreißen, von dannen er nicht wieder heimkehrte. Und bald darauf entstand im Volk mancherlei Gerücht und Sage, dass er nicht, wie doch die Kunde war, gestorben sei, sondern noch lebe, und wiederkommen werde. So wurde gesagt, er sei in einem Berg verzückt und gebannt. Manche nennen den Untersberg bei Salzburg, andere einen Felsen bei Kaiserslautern, darin der Kaiser verzaubert sitzen soll. Am meistern aber wird der Kyffhäuser als solcher Berg genannt. Da hinein soll er sich selbst verflucht haben mit seiner Tochter und allem Hofgesinde bis zur Zeit seiner Wiederkehr. Da sitzt er nun im Bergschloss, umgeben von seinen Wappnern, in einer glänzenden Halle, an einem güldenen Tisch und trägt auf dem Haupt eine alte güldene Krone. Des Kaisers roter Bart ist durch den Tisch gewachsen und reicht zweimal schon um den Tisch herum. Wenn er aber zum drittenmal herumreicht, dann wird der Kaiser heraufkommen, das Reich wieder behaupten, das Regiment bessern und das gelobte Land mit dem heiligen Grabe den Türken abgewinnen. Dann wird er seinen Schild hängen an den dürren Ast eines Birnenbaumes, der auf dem Ratsfeld steht, und eine große Schlacht wird dann geschlagen werden, der Baum aber wird grünen und blühen. Auch schläft der Kaiser nicht, sondern er nickt und zwinkert mit den Augen, wie im Halbschlummer und alle hundert Jahre sendet er einen Zwerg hinauf zu schauen: ob die Raben noch um die alte Burgwarte von Kyffhausen fliegen? Wenn er nun wiederkommt und aussagt, dass sie noch fliegen, wird der alte Kaiser traurig wie zuvor und schlummert wieder fort. So haben ihn schon manche gesehen.“

(Quelle: www.harz-saale.de)