Sagenhaftes Deutschland

Unsere Heimat steckt voller unerzählter und vergessener Sagen.

Wir möchten Ihnen mit einigen dieser Geschichten den Alltag ein wenig sagenhafter machen.

 

 

 

In Thüringen, südlich des Harzes, befindet sich das Kyffhäusergebirge. Ende des 11. Jahrhunderts errichtete dort Friedrich I. eine der größten Burgen des mittelalterlichen Deutschlands, welche im darauf gekommenen Kriege zerstört wurde und heute nur noch eine Burgruine ist.

Doch eines ist besonders an der Ruine dieser Burg, denn dort steht heute außerdem das Denkmal des Barbarossa (Bild). Friedrich I. hatte einen feuerroten Bart und wurde daher Barba-rossa genannt. Im Jahre 1155 wurde er zum Kaiser des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation gekrönt und prägte sein Reich mit Frieden und Stärke.

Er galt deshalb als sehr beliebt unter der Bevölkerung, die seinen Tod zu tiefst bedauerten. Friedrich I. starb beim dritten Kreuzzug in Kleinasien, als er im Fluss Saleph ertrank und seine Leiche nie wieder gefunden wurde. Seine Herrschaft wurde in aller Ehre durch seinen Sohn Friedrich II. weitergeführt, dennoch wollte man nicht wahr haben, dass ein solch mächtiger, gutherziger Kaiser auf solch mystische Weiße ertrinken kann.

 

 

 

Im Mittelalter begann man sich zu erzählen, wo der Kaiser sein mag und weshalb er verschwunden ist, bis Ludwig Bechstein die mündlich weitergegebene Barbarossa-Sage Anfang des 19. Jahrhunderts aufschrieb:

 

barbarossa

von Ludwig Bechstein, 1836

„Kaiser Friedrich der Rotbart unternahm einen Kreuzzug in das heilige Land, dieses den Türken zu entreißen, von dannen er nicht wieder heimkehrte. Und bald darauf entstand im Volk mancherlei Gerücht und Sage, dass er nicht, wie doch die Kunde war, gestorben sei, sondern noch lebe, und wiederkommen werde. So wurde gesagt, er sei in einem Berg verzückt und gebannt. Manche nennen den Untersberg bei Salzburg, andere einen Felsen bei Kaiserslautern, darin der Kaiser verzaubert sitzen soll. Am meistern aber wird der Kyffhäuser als solcher Berg genannt. Da hinein soll er sich selbst verflucht haben mit seiner Tochter und allem Hofgesinde bis zur Zeit seiner Wiederkehr. Da sitzt er nun im Bergschloss, umgeben von seinen Wappnern, in einer glänzenden Halle, an einem güldenen Tisch und trägt auf dem Haupt eine alte güldene Krone. Des Kaisers roter Bart ist durch den Tisch gewachsen und reicht zweimal schon um den Tisch herum. Wenn er aber zum drittenmal herumreicht, dann wird der Kaiser heraufkommen, das Reich wieder behaupten, das Regiment bessern und das gelobte Land mit dem heiligen Grabe den Türken abgewinnen. Dann wird er seinen Schild hängen an den dürren Ast eines Birnenbaumes, der auf dem Ratsfeld steht, und eine große Schlacht wird dann geschlagen werden, der Baum aber wird grünen und blühen. Auch schläft der Kaiser nicht, sondern er nickt und zwinkert mit den Augen, wie im Halbschlummer und alle hundert Jahre sendet er einen Zwerg hinauf zu schauen: ob die Raben noch um die alte Burgwarte von Kyffhausen fliegen? Wenn er nun wiederkommt und aussagt, dass sie noch fliegen, wird der alte Kaiser traurig wie zuvor und schlummert wieder fort. So haben ihn schon manche gesehen.“

(Quelle: www.harz-saale.de)