Urban Gardening – Gartenanbau in der Stadt

Urban Gardening ist privates oder gemeinschaftliches Gärtnern auf Flächen in der Stadt, im hauseigenen Hof oder auf dem eigenen Balkon. Dabei geht es nicht nur darum, umweltbewusster zu leben und zu konsumieren. Es geht auch darum, dass die Grünflächen auch das Mikroklima verbessern und die Städte verschönern.
Da die dafür ausgelegten Flächen meist sehr klein sind, kommt es dabei auf viel Flexibilität, Improvisation und Kreativität an.


Ursprung

Die genaue Herkunft ist zwar nicht bekannt, kommt aber wahrscheinlich aus den New Yorker Gemeinschaftsgärten der 1970er Jahre. Anwohner aus eher vernachlässigten Stadtvierteln haben durch politische Initiativen, wie „Guerilla Gardenings“ (unten erklärt), gegen die Verschlechterung der Lebensbedingungen und den Verfall der Städte protestiert und dabei leerstehende Flächen bepflanzt.

Ein weiterer Ursprung liegt auch in Kuba der späten 1980er Jahre. Dort brach die Wirtschaft mit dem Ostblock zusammen und zwang das Land zu einer nachhaltigen Landwirtschaft. Die Auswirkungen der Wirtschafts- und Ernährungskrise sollten durch die urbane Landwirtschaft gemildert werden. Dabei wurden mit viel Einfallsreichtum die Urban Gardens erschaffen.


Die verschiedenen Konzepte

1. Gemeinschaftsgärten

Gemeinschaftsgärten werden, wie der Name schon sagt, von mehreren Personen in einer Gemeinschaft aus freiwilligen Engagement betrieben. Diese Gärten befinden sich in der Stadt und werden hauptsächlich von der entsprechenden Gruppe genutzt, wobei viele auch öffentlich zugänglich sind. Die Betreiber sind beispielsweise die Nachbarschaft, politische Gruppen, Vereine, Kirchen oder Schulen.

Zu den Gemeinschaftsgärten gehören auch interkulturelle Gärten in denen Menschen verschiedener Herkunft zusammen anbauen. Das fördert einen internationalen Austausch und den Zusammenhalt und gibt jedem einzelnen die Möglichkeit sich an gemeinschaftlichen Projekten zu beteiligen.


2. Nachbarschaftsgärten

Nachbarschaftsgärten werden von Anwohnergemeinschaften betrieben und sind meist in Höfen, vor oder zwischen den Häusern oder auf dem Hausdach. Dabei hat meist jedes Mitgleid seine eigene Fläche um die sich derjenige kümmern muss. Wenn eine Fläche verwahrlost ist, wird nachgefragt ob diese noch gebraucht wird und bei Verneinen an den Nächsten weitergegeben. Auch müssen Sie sich beim Ansäen nicht beschränken, da meist alles erlaubt ist – ob Blumen oder Gemüsepflanzen.


3. Guerilla Gardening

Guerilla Gardening ist die politische Form von Urban Gardening. Quasi aus politischen Protest greifen grüne Aktivisten eigenmächtig – sprich illegal – in das Stadtbild ein, um es grüner zu machen. Der Begriff „Guerilla“ kommt aus dem Spanischen und bedeutet „Kleinkrieg“. Die Beteiligten begrünen dabei in verdeckten Aktionen möglichst schnell viele Flächen.


4. Balkongärten

Auf Balkonen können Sie eigene Mini-Gärten anlegen. Die Fläche ist meist zwar nur klein, doch Sie können mit den richtigen Methoden dennoch viel aus Ihrem Garten machen. Dabei haben Sie die frei Wahl, ob Sie Blumen, Gemüse, Kräuter oder sogar Obst anpflanzen. Sehr viele Pflanzenarten wachsen genauso gut in Kübeln oder dem Balkonkasten, wie in einem Gemüsebeet. Hier haben wir ein paar Tipps für Ihren Eigenanbau in der Stadt zusammengestellt:


– Hochbeet und weitere Varianten zum platzsparenden Anbau:

Je nach Pflanze und Flächengröße haben Sie verschiedene Möglichkeiten einen urbanen Garten anzulegen: Mini-Hochbeete beispielsweise eignen sich für Anfänger sehr gut, um Kräuter und Gemüse, wie Salate und Radieschen, anzupflanzen.
Auch ein vertikaler Garten stellt eine sehr gute Alternative dar, wenn Sie nur wenig Platz zur Verfügung haben oder eine Wand verschönern möchten. Dafür eignen sich übereinander aufgebaute Tontöpfe, Pflanzentaschen oder -treppen, genauso wie wiederverwertbare Europaletten oder sogenannte „hängende Blumenampeln“.


– Geeignete Sorten für den Balkon:

Es eignen sich vor allem Pflanzen, die wenig Wurzelraum benötigen, wie Kräuter, Salat, Rukola, Spinat, Mangold, Knoblauch, Lauchzwiebeln oder Erdbeeren. Diese können Sie getrost am Geländer oder an der Wand aufhängen, damit am Boden Platz für Kübelpflanzen bleibt. In den größeren Kübeln können Sie dann nämlich Tomaten, Paprika, Gurken, Zucchini, Auberginen oder Chilli anpflanzen, da diese mehr Erde für Ihre Wurzeln und einen größeren Nährstoffspeicher brauchen.


– Artenvielfalt:

Sie können natürlich auch auf seltenere Sorten setzen, die Sie im normalen Handel nicht bekommen, wie gelbe Beete, die lila Karotte oder die wilde Rauke. Damit sind Sie besonders nachhaltig und originell und bereichern die Artenvielfalt.


– Biologischer Dünger mit dem Bokashi-Eimer:

Düngen ist sehr wichtig, damit das Nährstoffangebot der Pflanzen ergänzt wird und sie somit schneller wachsen. Das Problem: Ein Komposter stinkt meist ziemlich und auf dem Balkon ist viel zu wenig Platz dafür. Deshalb wäre ein Bokashi-Eimer eine gute Lösung. Mit dem Bokashi-Eimer können Sie Ihren in der Küche entstandenen Bioabfall fermentieren. Das bedeutet, dass er durch Mikroorganismen, die man hinzugibt, in ein saures Milieu gewandelt wird. Der Vorteil daran ist, dass Sie so natürlichen Dünger herstellen können, ohne dass die Biomasse stinkt, da sie luftdicht verschlossen ist. Sie können Bokashi-Eimer online kaufen oder selbst aus einem alten Eimer basteln.

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