Durch dick und dünn – woher unsere Redewendungen kommen

„Wir gehen zusammen durch dick und dünn!“, „Du wurdest über den Tisch gezogen!“ , „Morgen mach ich mal blau.“

Täglich verwenden wir Redewendungen, vielleicht auch noch ohne es bewusst zu bemerken, denn ihre Bedeutung kennt jeder. Nimmt man sie jedoch wörtlich, bleibt die Frage: Wo steckt der Ursprung ?

 

Jemanden über den Tisch ziehen

Man verschafft sich einen Vorteil auf Kosten des anderen, wenn man jemanden über den Tisch zieht. Meistens aber hat die Angelegenheit wenig mit einem Tisch zu tun.

Diese Redensart kommt aus Bayern und wird wirklich im wörtlichen Sinne verwendet.
In Bayern gibt es eine Sportart, bei der zwei Männer ihre Mittelfinger, mit Hilfe eines Lederriemens, einhaken und so den Gegner über den Tisch ziehen müssen, um zu gewinnen. Und Gewinnen ist natürlich immer ein Vorteil.

 

Es faustdick hinter den Ohren haben

Was ist „Es“, das Lausbuben und Frechdachse hinter den Ohren haben, in der Größe einer ganzen Faust?
Nach altem Volksglauben, war besagt, dass die List in Form von kleinen Dämonen hinter den Ohren saß. War jemand ganz besonders listig und frech, dann saßen dort mehrere, die zusammen bald die Größe einer Faust hatten.

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Fists von Henry Burrows auf flickr.com (CC BY-SA 2.0)

 

Blaumachen

Wenn jemand grundlos fehlt oder, anders gesagt, schwänzt, macht er blau.
Ursprünglich kommt dieser Begriff vom Färben der Wolle.
Die Färber badeten die Wolle, für gewöhnlich an einem Sonntag, in einer grün-gelben Farbe.
Am Montag musste sie die Wolle lufttrocknen und lediglich abwarten, bis sich die Stoffe durch die Reaktion blau färbten. Da sie in dieser Zeit also nicht arbeiten konnten und nichts taten, sagte man sie machen „blau“.

 

Eine Leiche im Keller haben

Eine Leiche ist gleichgestellt mit einem dunklen oder weniger dunklen Geheimnis. Jeder von uns hat irgendwo eine Leiche im Keller versteckt, doch heute bestimmt nicht mehr im ursprünglichem Sinne.
Früher starben Kinder oft bevor sie getauft werden konnten, weshalb sie nicht auf dem katholischen Friedhof begraben werden durften. Um das verstorbene Kind vor bösen Geistern zu schützen, entschieden sich viele Eltern dafür, es heimlich im Keller zu begraben.

 

Sich ins Zeug legen

Wir Menschen legen uns eigentlich gar nicht ins Zeug, denn wörtlich machen das lediglich die Ochsen oder Zugpferde. Das Geschirr, in das diese häufig beim Ackerbau eingespannt wurden, wurde früher häufig auch Zeug genannt. Wenn die Tiere also extreme Kraft aufbringen müssen, legen sie sich ins Zeug.

 

Kein Blatt vor den Mund nehmen

Aber eine Person, die ihre Meinung doch mal für sich behält, weniger offen und direkt ist, läuft doch nicht mit einem Blatt vor dem Gesicht herum…?
Heute bestimmt nicht mehr, doch bei den ersten Komödien im Theaterwesen hielten sich die Schauspieler wirklich ein Blatt Papier vors Gesicht, damit sie für Witze über Politiker und Staatsmänner unerkannt blieben und davonkamen. Die Mutigen hingegen verzichteten darauf, nahmen also kein Blatt vor den Mund.

 

Etwas ist 08/15

Die MG 08/15 war richtig 08/15, denn mit dem meistproduzierten Maschinengewehr war fast jeder NS-Soldat des 2. Weltkrieg ausgestattet. Den Namen 08/15 trägt es, weil es im August 1915 modernisiert wurde und in Produktion ging. Da die Waffe zur Standardausrüstung gehörte sagen wir heute, dass etwas 08/15 ist. Eigentlich kein schöner Gedanke, wenn man bedenkt wie viel diese Gewehre angerichtet haben.

Mit jemanden durch dick und dünn gehen

Ausnahmsweise hat dies nichts damit zu tun, dass zwei Freundinnen sich treu sind, auch wenn sie mal mehr auf den Rippen haben und mal weniger.
Das Wort „dick“ kommt aus dem Altdeutsch und bildete sich aus „dicht“. Demnach waren sich zwei Freunde stets treu, wenn sie zusammen sowohl durch dichte als auch durch dünne Wälder wanderten.