Steigende Wechselquote am Strommarkt: Verbraucher werden wechselfreudiger

Der deutsche Staat bittet Verbraucher beim Strompreis ordentlich zur Kasse. Der Anteil an Abgaben, Steuern und Umlagen liegt inzwischen bei 54 Prozent. Auch 2019 sind beim Haushaltsstrom Preiserhöhungen zu erwarten. Dennoch erfreulich: Die Wechselquote steigt seit 2005 stetig. Das geht aus der Strompreisanalyse hervor, die der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW) im Mai 2018 veröffentlichte.

 

29,44 Cent pro Kilowattstunde mussten Verbraucher zum Jahresbeginn 2018 durchschnittlich für ihren Strom bezahlen. Ein Anstieg von 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit 15,97 Cent fließt davon mehr als die Hälfte in Form von Steuern, Abgaben und Umlagen in staatliche Hände. Zum Vergleich: Während der Anteil vor 20 Jahren noch bei 24 Prozent lag, sind es 2018 54 Prozent, so die Statistik in der aktuellen Strompreisanalyse unter bdew.de. Allein Strom- und Mehrwertsteuer nehmen derzeit zusammen 6,75 Cent pro kWh in Beschlag. Hinzu kommen 7,27 Cent/kWh Netzentgelt sowie 6,2 Cent/kWh für Beschaffung und Vertrieb. Wobei sich diese beiden Strompreisbestandteile im Vergleich zu den Steuern, Abgaben und Umlagen relativ human entwickelt haben. Besonders ernüchternd der Blick auf die Veränderungen der durchschnittlichen monatlichen Stromrechnung eines Haushalts mit einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh: Laut Strompreisanalyse wurden 1998 11,87 Euro für Steuern, Abgaben und Umlagen fällig. 2018 sind es 46,57 Euro. Ein sattes Plus von 292 Prozent.

 

Vertrauen in Lieferantenwechsel steigt

 

Dennoch müssen Verbraucher die Preisspirale nicht machtlos hinnehmen. Seit der Liberalisierung der Energiemärkte hat sich der Wettbewerb stark intensiviert. Die Anbietervielfalt ist enorm. Das zeigt auch die Analyse des BDEW. Demnach stehen den Stromkunden in über 85 Prozent der Netzgebiete mehr als 50 Lieferanten zur freien Auswahl. Das macht sich auch an der kumulierten Wechselquote bemerkbar, die seit 2005 kontinuierlich zulegt. Damals lag sie bei 7 Prozent, im ersten Halbjahr 2017 waren es bereits 42,2 Prozent. Der Versorgerwechsel wird für immer mehr Haushalte zur Selbstverständlichkeit. Einen wesentlichen Beitrag hat das Internet zu dieser Entwicklung beigetragen. Ein kostenloser Vergleich ist inzwischen auf zahlreichen Plattformen bequem realisierbar und der Anbieterwechsel mit wenigen Klicks erledigt. Allerdings sind Verbraucher dennoch gut beraten Angebote kritisch zu prüfen und beim Gegenüberstellen sämtliche Parameter bedarfsgerecht zu wählen. Das reicht von den Verbrauchswerten über Boni bis hin zu Vertragslaufzeit und Preisgarantie. Das Vergleichsportal BesteStromvergleich.de hat zur besseren Orientierung Richtwerte zum Stromverbrauch in Kilowatt veröffentlicht, die sowohl Personenanzahl als auch Verbrauchsintensität einbeziehen. Ergänzend wurden auf der anbieterunabhängigen Internetseite Einstellungen für einen Stromtarifvergleich gelistet, welche die Stiftung Warentest für die bedarfsgerechte Recherche empfiehlt.

 

Verbrauchertipps zum Stromanbieterwechsel:

 

  • Verträge mit Vorkasse sind unüblich. Eine monatliche Abschlagszahlung dagegen die Norm.
  • Empfehlenswert sind Angebote, dessen Erstlaufzeit und Preisgarantie übereinstimmen.
  • Verbraucher, die jedes Jahr einen Anbieterwechsel in Betracht ziehen, sollten den Neukundenbonus in den Vergleich einbeziehen. Wird hingegen ein Energielieferant für mehrere Jahre gesucht, sollte diese Filteroption nicht einbezogen werden. Der Bonus könnte den Preisvorteil verfälschen.
  • Wird ein Stromlieferungsvertrag nicht rechtzeitig gekündigt, verlängert sich dieser in der Regel automatisch um zwölf Monate. Kunden, die sich maximale Flexibilität wünschen, wählen einen Vertrag mit einer Vertragsverlängerung von nur vier Wochen.

 

Öko ist nicht gleich Öko

 

Umweltbewusste Stromkunden bevorzugen Ökostrom-Tarife. Doch hier ist Vorsicht geboten. Oft handelt es sich um Mogelpackungen. Nur weil ein Tarif scheinbar „grün“ ist, heißt das nicht, dass der Stromversorger generell nachhaltig agiert. Viele Anbieter ergänzen ihr Sortiment lediglich damit, können aber nicht als klimaschutzorientiert bezeichnet werden, weil sie beispielsweise verstärkt in Atomkraft investieren. Zertifikate wie das Grüner Strom Label Gold oder Ok-power dienen als Orientierung. Öko-Test hat im vergangenen Jahr 29 Öko-Stromtarife getestet und einige Lockangebote entlarvt. Die gute Nachricht: Es gibt durchaus saubere Stromtarife, die mit überzeugenden Ergebnissen abschnitten. 18 der getesteten Angebote konnten sich das Gesamturteil „sehr gut“ sichern. Darunter Naturstrom, Greenpeace Energy, EWS Schönau, Mann Naturenergie, Polarstern, Prokon und Savero. Details zum Test unter oekotest.de.