Der Schmuggel mit den Schallplatten

Schmuggel mit Vinyl by Absolut RadioNicht umsonst heißt die Vinylplatte „das schwarze Gold“

Die Bezeichnung „das schwarze Gold“ für Schallplatten kommt nicht von irgendwo, denn es gab auch Zeiten, in denen Vinyl regelrecht geschmuggelt wurde, unter einigen als Währung galt und somit auch mehr Bedeutung als das Geld selbst hatte.

Auch heute gibt es natürlich noch Sammler, die ihre Lieblings-Scheibe für kein Geld der Welt verkaufen würden.

Ihre Platte bedeutet ihnen mehr als alles andere, egal ob aus nostalgischen oder emotionalen Gründen.

Vor nicht allzu langer Zeit war der Musikfreund froh, wenn er überhaupt an das Vinyl aus seinen Träumen heran kam.

Beispiel DDR

Natürlich gab es im Osten auch Plattenläden. Nur was diese verkauft haben war nicht unbedingt das, was die Leute auch haben wollten. Vieles aus dem Westen galt schlicht als Dreck und wurde als Schande angesehen. Einige SED-Bosse trauten der Rock-Musik so ziemlich alles schlechte zu, was man sich nur vorstellen kann.

Sie manipuliert die Jugend, lenkt die Bürger von den schlechten Zielen der Imperialisten ab, oder will sie gar auf ihre Seite locken. Die Rolling Stones waren verboten, viele andere Bands standen auf dem Index und durften nicht auf Vinyl gepresst verkauft werden.

Repression – als Mittel Musik zu verbannen – funktionierte sehr schnell nicht mehr. Heftiger denn je entstand das Verlangen nach dem schwarzen Gold, nach der neuen Form von Kultur. Eingeführt werden durften nur Scheiben, die als wertvolles Kulturgut bezeichnet werden konnten. Dazu zählte vielleicht Bach oder Beethoven, sicherlich aber nicht „Schools Out“ von Alice Cooper, „Sympathy for the Devil“ von den Stones oder „Lucy in the Sky“ von denBeatles.

Der Platten-Dealer

Wo ein Wille ist ist auch ein Weg, dachte sich natürlich auch die Jugend und gründete regelrechte Plattenringe, die organisiert die West-Musik ins Land schleusten. Auch die Rentner wurden zum Teil in die Dealer-Geschäfte mit reingezogen. Manche von ihnen schmuggelten die Platten nach einem West-Besuch in die DDR. Weil sie wussten, nicht so akribisch gefilzt zu werden, wie die jüngeren Bürger, oder weil sie nicht wussten, dass diese ihnen die Platten in den Koffer steckten.

Vinyl ist kostbar

Heute kann man sich kaum vorstellen für Musik so viel Geld auszugeben, doch Schallplatten, die in der DDR als verbotene Einfuhr eingestuft wurden, kosteten den echten Fan sogar mehr als eine Monatsmiete. 150 Ostmark war laut Berichten eine der Preiskategorien. 75 Ostmark zahlten andere für ihr warmes Dach über dem Kopf. Und wenn es mal eine geile LP tatsächlich zu kaufen gab, dann oft in einer so geringer Auflage, die eine Schlange vor dem Musikgeschäft von mehreren hundert Metern zu Folge hatte.

Schön umgesetzt wird das Thema auch im Film Sonnenallee, in dem die Darsteller ein gefühltes halbes Leben auf ihre Platte vom Schwarzmarkt gespart haben. Die Scheibe dann in der Hand zu halten brachte sie natürlich vollkommen in Extase.

Do It Yourself – Vinylkunst

Wenn Plattenspieler zur Rarität werden und die alten Schallplatten und damit alte Erinnerungen im Schrank verstauben, ist es an der Zeit zu handeln.

Ganz nach dem Motto „aus alt mach neu“ kann man die Vinylscheiben in vielfältiger Weise zu Hinguckern machen, statt sie in der Schublade oder auf der Müllhalde verkümmern zu lassen.

Egal ob als dekorativer Wandschmuck oder nützlicher Ordnungshalter – es gilt „nichts ist unmöglich“. Und der tolle Nebeneffekt, beim Anblick der Kunstwerke ist das Schwelgen in Erinnerungen garantiert.

Schnell gemacht – mit geringen Aufwand

Keine Angst, das Ganze ist nicht nur für die kreativen Köpfe was, denn das schwarze Gold kann schon ohne großen Aufwand zum Designerstück werden – Neid garantiert.

Basteltipp der Erste – Die Einfachen

Ein Basteltipp der kein Bastelltipp ist.

Ob zum Schneidebrett oder zum Pizzateller umfunktioniert garantiert ein vinylreicher Hingucker in der Küche. 

Basteltipp der Zweite – Der Ordentliche:

Für alle „schmuckliebenden“ Frauen und deren „schmuckgeplagten“ Männer ist das Folgende genau das Richtige.

In deinem Schmucksortiment fehlt es weder an Ketten und Armreifen noch an Ohrringen, aber an Stauraum?! – Hier die ebenso simple wie einfache Lösung des Problems, ein Retro-Schmuckhalter.

Anleitung
Löcher ins Vinyl gemacht, Ohrringe aufgehängt oder die Ketten und Armbänder mit Haken fixiert und fertig ist derRetro – Schmuckhalter

Kreatives Austoben – mit Aufwand

Für alle die keinen Aufwand scheuen und sich gerne so richtig kreativ austoben, dürfte die Vinylkunst definitiv auch das Richtige sein. Denn hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Basteltipp der Dritte – Die Vielseitige:

Keine Lust mehr auf Chips, Gummibärchen und Co. aus langweiligen Tüten und herkömmlichen Schalen? – dann ran ans schwarze Gold.

Mit einer Portion Lust zum Basteln entsteht eine Schüssel, aus der die Knabbereien gleich noch viel besser schmecken werden, denn das Auge isst ja bekanntlich mit.

Anleitung:
Zu Beginn – wie soll es auch anders sein – die Schallplatte im heißen Wasserbad formbar machen, nach Lust und Laune den Rand in die gewünschte Form bringen (z.B. Wellenoptik) und fertig ist die self-made Schale.  

ODER: Die Schallplatte über den zylinderförmigen Gegenstand legen und bei ca. 150°C in den Backofen, aber vorsicht: Vinyl brennt!

Hier noch ein kleiner Lichtblick für alle, die schon im Besitz eines ganzen Sortiments an originellen Schalen sind, zur Tischlampe oder zum Kerzenhalten umfunktioniert ist das Ganze ebenfalls ein toller Blickfang.

Einfach Dekosand in die Schale und die Kerze reingestellt. Und mit den passenden Farben, zum Beispiel passend zur Jahreszeit, ein zeitloses Dekoelement, das garantiert für Staunen sorgt.

Basteltipp der Vierte – Der Geschenktipp:

Ganz besonders für die Herren der Schöpfung, die ihre Liebste mal mit etwas Besonderen, Aufgefallenen, Individuellen überraschen wollen, das Richtige.

Egal ob zum Geburtstag, zum Valentinstag oder einfach nur zwischendurch, sie wird die Designerstücke und vor allem die neidvollen Blicke ihrer Freundinnen lieben.

Mal was neues wagen und die Kreativität in sich wecken.

Anleitung:
Einfach ein beliebig großes Stück schwarzes Gold ins heiße Wasserbad legen bis es sich verformen lässt und in die gewünschte Form bringen. Nach Lust und Laune mit Steinchen oder sonstigen beliebigen Dekoartikeln und Bastelzubehör verschönern und fertig sind KettenanhängerOhrringe und Co.

Egal ob Wellenoptik oder Herzform, auch hier gilt nichts ist unmöglich.

Basteltipp der Fünfte – Die Ordnungshalter:

Wer kennt das nicht – auf dem Schreibtisch herrscht ein buntes Durcheinander von Büchern, Zeitschriften und Post?! Für die tatsächlichen Aufgaben bleibt in dem, oft als kreatives Chaos gerechtfertigten – Wirrwarr nicht wirklich viel Platz. Es ist also an der Zeit für Ordnung zu sorgen und zwar mit kreativ – dekorativen Ordnungshaltern.

Vom Bücherhalter bis zum Regal ist alles möglich.

Anleitung:
Für den Bücherhalter einfach einen Teil der Schallplatte mit Hilfe eines heißen Wasserbades im 90°- Winkel verbiegen. Die Bücher dran gereiht – fertig.
Für das Post- und Zeitschriftenregal einfach einen Teil der Scheibe mit Hilfe des Wasserbades soweit umbiegen, bis der Brief oder die Zeitschriften reingeklemmt werden können. Noch schnell an der Wand befestigt und für Ordnung ist gesorgt.

Und das Beste daran, das Ganze ist um einiges origineller und dekorativer als Regale und Co. aus den schwedischen Möbelhäusern.

Basteltipp der Sechste – Die Nasszellendeko

Dein Bad ist langweilig und kahl? Es fehlt das gewisse Etwas, das es behaglich und heimlich macht? – dann ist es an Zeit endlich kreativ zu werden und es mit stylischen Elementen zu verschönern, nämlich zum Beispiel mit einem vinylreichem Klopapierhalter.

Anleitung:
Man braucht dazu nur drei alte Schallplatten (eine Große und zwei Kleine), ein Paar Schrauben und natürlich eine Rolle Klopapier. Die große Schallplatte dient zur Befestigung an der Wand. Die beiden kleinen müssen erst mal ein Bad im heißen Wasser nehmen. Ist die Schallplatte dann formbar, einfach etwa 3cm vom Rand einen rechten Winkel biegen. Nun das Klopapier zwischen die kleine Platten klemmen und mit Hilfe der eben geschaffenen „Befestigungslasche“ und Schrauben an der großen Schallplatte befestigen. Tadaaa fertig ist die hippe Bad-Deko.

Und für alle, die diese Idee toll finden, aber keinen Toiltettenpapierhalter mehr brauchen, ein weiterer Tipp: Das ganze funktioniert auch wunderbar mit Küchenpapier.

Es zeigt sich also mit etwas Arbeit und einer Portion Phantasie kann so eine Schallplatte eben doch mehr als sich nur im Kreis drehen. Eigentlich schade drum, wenn das Gold der Musik in der Schublade verkümmert.

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Basteln und kreativen Austoben…

Vinyl-Sounds von der Rennstrecke

Vinyls treffen auf Spielzeug

Ein überdimensionaler Plattenspieler in Form einer Rennbahn, dessen Sound mittels einem Spielzeug-Rennauto wiedergegeben wird? Klingt schon ziemlich komisch, aber es gibt ja kaum etwas, das es nicht gibt.

Zwischenzeitlich war die Installation von Lucas Abela im Rahmen der Ausstellung In That Weird Age, bei der  Transmediale in Berlin zu sehen. 

Zuvor konnte man das Kunstwerk übrigens  unter anderem im Juni 2012 beim Lüften-Festival in Frankfurt bestaunen. Zugegeben, der Sound ist zwar eher unmelodisch und auch wenig tanzbar, aber die Idee ist so freaky, dass sie definitiv erwähnt werden sollte, wenn man sich mit dem Thema Vinyl beschäftigt.

In der Sparte moderne Kunst kann bekanntlich ein sehr breites Spektrum an Erfindungen, Installationen etc. eingeordnet werden. In unserer Rubrik Lebensgefühl Vinyl haben wir schon einiges darüber berichtet, wie jeder selbst Kunstwerke aus dem schwarzen Gold schaffen kann, oder was es mit Urban Vinyl , der bunten Kunst aus schwarzem Gold auf sich hat. Das Projekt Vinyl Rally ist ein erneutes Bespiel dafür, wozu Schallplatten verwendet werden können, auch wenn es echten Sammlern oder Liebhabern wohl schon beim Anblick die Haare aufstellt. Tausende Vinyls, zusammengebaut zu einer Rennstrecke für RC Cars, das sieht schon sehr abgefahren aber auch beeindruckend aus. Das alleine reichte dem australischen Künstler Lucas Abela aber nicht. Sein Kunstwerk vervollständigt sich durch das ferngesteuerte Mini-Auto, das über die Platten düst. Ausgerüstet ist es mit einer kleinen Kamera und einem Tonabnehmer, der dafür sorgt, dass der Sound erzeugt wird.  Je nachdem, mit welcher Geschwindigkeit der Fahrer über den Platten-Parkour heizt, verändert sich der Sound. Von schrecklich, über unerträglich bis hin zu Kopfschmerz-verursachend. 

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60 Jahre Schallplatte

Am 31. August 1951 hat die Deutsche Grammophon die ersten Schallplatten mit 33 1/3 Umdrehungen produziert und damit eine neue Ära des Musikkonsums eingeläutet.

Auch 60 Jahre nach der Einführung genießt noch heute jeder Musikliebhaber das Knistern und Knacksen von Vinyl.
Als in den 70ern Technics den Kultplattenspieler 1210/1200 erfand, war der Siegeszug der Schallplatte unaufhaltsam. Ungebrochen bis heute, denn auch der moderne Club-DJ benutzt als Schnittstelle zu seinem Laptop Vinyl-Rohlinge, die auf dem Plattenspieler roulieren.
In der Absolut Radio Redaktion wird gebührend der 60ste Geburtstag der Schallplatte mit Erinnerungen an musikalische Jugendsünden gefeiert; jeder hat seine erste Scheibe mit in die Redaktionskonferenz gebracht und in längst vergangenen Erinnerungen gewühlt:
Alex Biersack bekennt sich so als Vater Abraham und Schlumpffan. Die erste selbstgekaufte LP war das Public Enemy Debüt „Yo! Bum Rush The Show“
Benni Kostal freut sich noch heute über das Musikgeschenk seiner Schwester. Eine Promo-Platte mit einem Schokoladenriegel-Song, als das „Twix“ noch „Radier“ hieß, hat es ihn damals angetan.
Christian Lang ortet sich als Bravo-Hits – Hörer, der sich damals extrem mit den Trendcharts der 90er auseinandergesetzt hat. Noch heute hält er die sechste Ausgabe dieser Hit-Compilation in Ehren.
Eva Schlössel faszinierte sich in jungen Jahren für den großen irischen Familienchor – The Kelly Family. Noch heute singt sie in der Redaktion „An Angel“ und träumt von längst vergangener Zeit.

Urban Vinyl – bunte Kunst aus schwarzem Gold

Bilderrätsel


<= Wer hat in Chemie aufgepasst und kann dieses Bilderrätsel lösen?

Ich jedenfalls nicht.Und für allen denen es ähnlich geht darf ich entschlüsseln:

Es handelt sich um die chemische Struktur von Polyvinylchlorid!

Vinyl, so heißt das Zeug aus dem Isolierungen, Bodenbeläge und eben auch Schallplatten gefertigt werden.

Beliebt und bekannt ist der Kunststoff für seine leichte Formbarkeit, die er durch Zugabe von Weichmachern und Stabilisatoren erhält. Trotzdem ist PVC widerstandsfähig und robust.

Urban-Vinyl-Action!

Bestens geeignet also, um ihn auch für plastische Zwecke einzusetzen!

Das dachte sich Mitte der 90er auch der chinesische Designer Michael Lau (klingt gar nicht so chinesisch, sieht aber so aus). Er formte aus Vinyl 101 Action-Figuren und veröffentlichte sie unter der Serie „The Gardener“ mit großem Erfolg.

Er gilt als Erfinder der Kunstrichtung „Urban Vinyl“ die sich durch andere Künstler wie Gary Baseman. Sun-Min Kim, Franz Kozik und viele weitere vornehmlich unter Sammlern verbreitet hat. Seit 2002 wird Urban Vinyl   – auch als „Designer Toy“ bekannt (Designer Toy steht allerdings auch für Kunst aus anderen Materialien) darüber hinaus im kommerziell wirtschaftlichen Sinne erfolgreich in Online Shops vertrieben.

 

Urban Vinyl definiert sich als künstlerische oder mittlerweile auch kommerzielle Kreation von Figuren und Skulpturen aus PVC und gilt als Hip-Hop und Jugend orientiert. Oft wird Urban Vinyl von Graphikern, Graffiti-Künstlern, DJs und Musikern aus urbanen Gegenden in den Vereinigten Staaten und Asien betrieben. Als Motive gelten dementsprechend berühmte Figuren aus nordamerikanischer und asiatischer Kultur.

Schluss mit der Theorie – wir wollen Bilder!

Wie Urban Vinyl aussehen kann, könnt ihr hier sehen:











Kaufen

Wer sich in die kleinen Figuren verliebt hat, findet hier Links zum Nachkaufen:

=> Collective.at Shop
=> Superchan Online Shop

Schallplatten aus dem 3D-Drucker – Kunstharz statt Vinyl?

Die Physikerin Amanda Ghassaei hat in San Francisco Schallplatten mittels eines 3D-Druckers erstellt. Noch kommen die Vinyl-Imitate aus Kunstharz zwar nicht unbedingt an den Sound einer echten Platte heran, dennoch ist ihr damit quasi eine echte Sensation gelungen.

Um sich selbst eine Schallplatte drucken zu können ist natürlich das Neueste vom Neuesten an Technik von Nöten. Das Modell, womit die im Video gezeigten Kunstharz-Schallplatten hergestellt wurden kostet schonmal um die 190.000 Euro(Stand Dez. 2012). Hinzu kommt eine von Ghassaei selbstentwickelte Software, welche die Musik in „geometrische Daten“ verwandelt. Diese wiederum kann der 3D Drucker im richtigen Format drucken und die Plattennadel kann das anschließend lesen.

Und das kann jeder herkömmliche Schallplattenspieler und alle Turntables mit 33 Umdrehungen pro Minute.

Unter https://www.instructables.com/id/3D-Printed-Record/?ALLSTEPS gibt es übrigens eine Anleitung zum nachmachen.

Auch auf Twitter ist die neue technische Errungenschaft Thema:

Die Welt ist eine Scheibe – Ein Stück Vinyl-Geschichte

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Wenn sich alles um die Scheibe dreht und das Jagen und Sammeln mehr als ein freizeitfüllendes Hobby, sondern eine Liebe und Leidenschaft fürs Leben ist, dann ist es der Vinyl-Sammler. Die Vinylplatte hat eine bewegte Geschichte und diese ist es neben der Musik wahrscheinlich auch, die den Vinyl-Sammler antreibt, das nächste begehrte Lieblingsstück zu ergattern.

Doch worin besteht die Faszination Vinyl eigentlich? Musikfans gibt es auf der ganzen Welt, doch der Vinylliebhaber hat meist eine besondere emotionale Bindung zu seinen Schalplatten, die über reine Nostalgie und übliches Fanverhalten hinausgeht. Das Vinyl hat eine lange Entwicklung hinter sich, die immer neben der Musik selbst, vor allem mit Träumen verbunden war.

Das galt auch für den Erfinder der Schallplatte, den US-amerikanischen Physiker Charles Sumner Tainter und deren Weiterentwickler Emil Berliner. Tainter tüftelte bereits 1880 an der ersten Platte, damals noch aus Wachs. Der deutsch-amerikanische Industrielle Berliner erhielt 1887 das Patent für die Schallplatte und entwickelte sie in den Folgejahren stetig weiter. (S)ein Traum wurde wahr und die Scheibe war geboren.

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Ein ganzer Industriezweig entwickelte sich ab dem 19. Jahrhundert vor allem in Europa aus dieser Erfindung. Der Erste und Zweite Weltkrieg allerdings bedeuteten massive Einschnitte in der Schallplattenproduktion. Erst nach 1945 wurde die Produktion wieder aufgenommen und der Traum von Musik auf Platte wurde wiederbelebt.

Ende der 1950er Jahre wurde die Schallplattenproduktion in der Bundesrepublik und anderen westeuropäischen Ländern auf Schellackplatten umgestellt. Parallel entwickelten allerdings einige britische und amerikanische Unternehmen bereits die ersten Schallplatten aus Vinyl.

Bis 1960 wurden immer weniger Schellackplatten produziert und das schwarze Gold, die Vinylplatte, begann ihren endgültigen Siegeszug um die Welt. Ab Mitte der 1980er Jahre kam die Compact Disc (CD) auf den Markt und verdrängte die Vinylplatte nach und nach, bis Anfang der 1990er gar der „Tod der Schallplatte“ verkündet wurde.

grammophon

Aber wie heißt es so schön „Todgeglaubte leben länger“ und in diesem Sinne ist die Vinyl bis heute bei Liebhabern, Sammlern und Musikgenießern wohl nie gänzlich verschwunden. Ganz im Gegenteil, in den letzten Jahren erlebt die Vinylplatte ein ungeahntes Revival. Ob im Bereich Mode, Wohnaccessoires oder Musikbusiness generell, die Scheibe ist absolut „in“.

Allerdings sehen sich Vinylplatten immer noch bedroht durch die CD und nun auch noch hauptsächlich mit dem vielfältigen Musikangebot im Internet konfrontiert. Doch solange die kreisrunden Schmuckstücke noch in heimischen Wohnzimmern, auf Trödelmärkten und in Plattenläden existieren und weiterleben, stirbt wohl auch ihr Sammler nicht aus. Der Traum lebt weiter und die Welt bleibt eine Scheibe.

Die Autorin Katharina Schmalz arbeitet im Online- Kunst-und Auktionshaus Auctionata. Alle Text- und Bildrechte vorbehalten.

Vinyl einzigartig: Vom MP3-File zur Schallplatte

Selbst eine DVD oder CD brennen, früher rasch eine Musikkassette oder ein VHS-Band bespielen – kein Problem, nichts besonderes. Selbstgemachte Musik-CDs locken heutzutage niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Durchaus interessanter wird es dann schon bei selbstgemachten LPs.

 

Vinyl-Unikate?

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Quelle: duophonic

Richtig gehört: Selbstgemachte Schallplatten, gelegentlich auch „Dubplates“ genannt. Zugegeben, auf die Schnelle lassen sich LPs oder auch kleine Singles nicht herstellen. Doch verschiedene Unternehmen haben sich auf die Schallplatten-Einzelanfertigung spezialisiert und machen Vinyl-Unikate auch für Privatleute erschwinglich.

Zum Einsatz kommen hierfür sogenannte Vinylrecorder. Anders als bei Produktionen in großer Stückzahl werden mit so einem Gerät keine Platten „gepresst“, sondern Rohplatten aus PVC in Echtzeit „geschnitten“. Anders als bei den klassischen „Dubplates“, bei denen es sich um Aluminiumplatten mit Acetatbeschichtung handelt, ist die Lebensdauer einer Dublate aus PVC genauso lang, wie bei einer „normalen“ Schallplatte aus dem gleichen Material.

Bei der Aufnahme bewegt sich dann ein Schneidestichel, an dem das Tonsignal anliegt, über die noch rillenlose Schallplatte. Während des gesamten Vorgangs wird übrigens die Schallplatte erhitzt, sodass das „Speichern“ der Musik auf der Platte ohne Probleme ablaufen kann.

 

Was passt drauf?

Wie viel Musik auf eine Dubplate passt, hängt natürlich von der Umdrehungsgeschwindigkeit (z.B. 33 oder 45 rpm) und dem Durchmesser des „Rohlings“, aber auch von den Bassanteilen in der Musik und der Lautstärke des Tons ab. Auf eine LP in klassischer Größe mit 33 Umdrehungen pro Minute passen etwa um die 12 Minuten auf jede Seite.

Vinyl-Einzelanfertigungen finden in den verschiedensten Bereichen ihre Anwendung. So können DJs zum Beispiel mit bisher unveröffentlichten Musikstücken in Clubs oder auf anderen Veranstaltungen arbeiten. CDs oder MP3-Dateien wären hier fehl am Platze. Außerdem können DJs, die mit vielen Schallplatten arbeiten würden, sich eine eigene Zusammenstellung auf einige wenige LPs schneiden lassen.

 

Von Digital zu Analog

Auch kleine Bands oder Studios lassen ihre digitalen Soundproduktionen den Weg zurück in die analoge Welt antreten. Und schließlich kann auch jeder als Geburtstagsgeschenk oder besondere Geschenkidee eine Schallplatte herstellen lassen, zum Beispiel mit einem ganz persönlichen Mixtape – pardon, mit einer Mixplate!

Hergestellt werden diese traditionsreichen Tonträger etwa bei „duophonic“. Das kleine Unternehmen aus Augsburg macht es seinen Kunden einfach: Die entsprechenden MP3-Dateien werden über ein eigenes Online-Portal hochgeladen und abgeschickt.

Wenige Tage später kann der Vinyl-Fan schon seine erste eigene Schallplatte in den Händen halten und bezahlt für eine klassische LP mit insgesamt 24 Minuten Spieldauer rund 34 Euro, inklusive Papierhülle und Schuber. Gegen Aufpreis kommt auch noch ein personalisiertes Label dazu, sodass die Eigenproduktion wie eine „ganz normale“ Schallplatte aussieht und ihr in puncto Tonqualität und Aussehen in nichts nachsteht.

 

Records kurios

Und wer neben verschiedenen Größenformaten etwas ganz Besonderes ausprobieren möchte, kann sogar durchsichtige oder gar viereckige Platten herstellen lassen. Den Spagat zwischen Analog- und Digitaltechnik schafft man mit einer Mini-Schallplatte – die auf der Rückseite als CD-R bespielbar ist.

Der japanische Vinyl-Zauberer

Laser-Plattenspieler

Quelle: ELP

Ein Vorort Tokyos. Ein kleiner, japanischer Herr mit nur wenigen, grauen Haaren radelt den Bürgersteig entlang, bis er zu einem kleinen Gebäude kommt, an dem die Buchstaben „ELP“ angebracht sind. Dies ist die Firma des japanischen Vinyl-Zauberers.

Plattenwunder aus Tokyo

Zugegeben, Sanju Chiba ist eher Geschäftsmann als Magier, doch was er und seine Mitarbeiter in Saitama schon seit 1989 produzieren, ist für Audiophile und Liebhaber von gutem Vinyl-Klang ein echtes Wunder. Chiba zeichnet sich für einen Plattenspieler verantwortlich, der ohne Nadel auskommt, der die Rillen der Platten gar nicht berührt. Möglich macht dies ein spezieller Laser, der die Rille abtastet und somit sicherstellt, dass die empfindliche Vinylscheibe nicht durch häufiges Abspielen oder Fremdkörper beschädigt wird. Gerade Besitzer von seltenen oder teuren Schallplatten wissen diese Erfindung zu schätzen.

Unterschätzte nicht den Vinyl-Virus

Als Sanju Chiba anderen japanischen und amerikanischen Firmen vor vielen Jahren das Konzept des „Laser Turntables“ präsentierte, schüttelten die nur den Kopf. Zu teuer in der Produktion sei das Gerät und keine Abnehmer würden sich finden, schließlich trat gerade die CD ihren Siegeszug an. Doch diese Firmen unterschätzten den Kultstatus, den die Schallplatte in den vergangenen Jahren erreicht hatte – und den Vinyl-Virus, der in vielen Musikliebhabern auch den Boom um MP3-Dateien und iPods überlebte und der besonders Indie-Fans auch im 21. Jahrhundert noch immer ansteckt. Und so verkaufte die kleine, japanische Firma 2006 bereits den tausendsten „Laser Turntable“. Inzwischen haben fast nochmals 1000 die kleine Fabrik verlassen und stehen bei HiFi-Enthusiasten in aller Welt.

Mit Laserkraft für guten Klang

Das Geheimnis des Laser-Plattenspielers begründet sich in der Abtaststelle. Durch zwei Laserstrahlen anstatt einer vergleichsweise starren Nadel wird vermieden, dass es bei der Wiedergabe hängt, springt oder übermäßig verzerrt. Außerdem tastet der Laser die Plattenrille an einer Stelle ab, die von herkömmlichen Nadeln nicht berührt wird. Das bedeutet, dass Platten, die möglicherweise durch Nadeln beschädigt wurden, im Laser-Plattenspieler dennoch gut klingen.

Wer nun denkt, der Chef der Firma, die nadellose Plattenspieler herstellt, würde nur auf analoges Audio schwören und digitale Technologien verabscheuen, der irrt. „Digitale und analoge Musik kann man nicht vergleichen“, sagt Sanju Chiba. „Digitale Dateien sind ideal zum Abspielen unterwegs. Das ist bei Platten nicht so einfach, schon gar nicht mit meinem Gerät. Das wiegt 19 Kilo!“

Harmonie und Friede per Schallplatte

„Aber der natürliche Klang einer Schallplatte hat so etwas Friedliches“ schwärmt Chiba und legt in seinen in Handarbeit gefertigten Laser-Plattenspieler eine Single ein, die in dem Gerät verschwindet wie eine CD im Laufwerk eines Computers. Wenig später schallt Musik aus den angeschlossenen Boxen und Sanju Chiba beginnt vor lauter Freude und Harmonie wahrscheinlich von einer japanischen Blumenwiese zu träumen, auf der acht Geishas zusammen mit mehreren Einhörnern einen lieblichen Tanz zelebrieren, während sich alle Menschen und Tiere auf der Welt innigst lieben. Hach, das ist der Zauber der Platten.

Hörbeispiel

Wie sich ein „Laser-Turntable“ im Vergleich zu einem herkömmlichen Gerät anhört, der kann auf der Webseite der Firma in ein paar Beispieldateien reinhören.
Meiner Meinung nach lassen sich zwar durchaus Unterschiede in der Tonqualität ausmachen. Gerade bei eigentlich unanhörbaren, weil beschädigten Tonträgern scheint die Lasertechnologie zu zeigen, was sie kann. Doch die 7140 Euro für das günstige Plattenspielermodell sind mir dann doch etwas zu viel. Mein Standardplattenspieler kommt vom Flohmarkt und hat 15 Euro gekostet. Der leistet auch noch gute Dienste.

In diesem Sinne,

Euer Daniel

P.S.: Mehr Informationen findet ihr unter www.elpj.com

Die Vinyl Vorgängerin – Die Schellackplatte

Im März 1959 gab EMI Records im Vereinigten Königreich bekannt, dass die Produktion der „78 rpm discs“, also die der Schellackplatten gestoppt werde.  Wer sich mit dem Thema schwarzes Gold beschäftigt, weiß, dass sie den Weg für die Vinyl-Platte geebnet hat.

In der Regel hatte die damalige Schallplatte einen Durchmesser von 10 oder 12 Zoll. Da passten dann zwischen 3 und vier Minuten Spielzeit drauf, weshalb das Musikhören damit anfangs ziemlich teuer und nur bestimmten Personen vorenthalten war.

Immerhin war es mit dem Kauf einer Schalleck noch nicht getan. Ein Grammophon war von Nöten und auch die Plattennadeln mussten oft nach einmaliger Verwendung ausgetauscht werden.

Hier ein kleiner und historischer Einblick in die Herstellung einer Schellackplatte:

Eine gewöhnliche Schellackplatte wurde mit einer Geschwindigkeit von 78 Umdrehungen die Minute abgespielt. Außerdem waren andere Tonabnehmer als für Vinyl notwendig, da die Rillen doch deutlich breiter waren.

Von der Optik machen so ein Grammophon oder die alten Platten schon einiges her. Deshalb hier eine kleine Sammlung an Bildern:

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