Endlich andere Musik.
  • Martin bloggt: Traudl Trouble

    Glück und Unglück

     
    Man soll es ja nicht verschreien, sagt man immer so schön. Aber ein Unglück kommt selten allein. Auch das wird häufig zitiert. „Glück und Unglück sind Namen für Dinge, deren äußerste Grenzen wir nicht kennen.“ Sagte John Locke einst, und zwar der, der nichts mit der Serie „Lost“ zu tun hat.
     
    Genug der Floskeln und Zitate, es gibt Probleme mit meinem Roller Traudl. Traudl-Trouble, sozusagen. Ich bin mir nicht mehr 100%ig sicher wie sich alles abgespielt hat, aber so erinnere ich mich daran: 

    Unbeschwerter Dienstag

    Angefangen hat alles am wunderschönen Dienstag. Unbeschwert und vorfreudig habe ich mich zumFußballspielen mit BastiAsmir und vielen anderen Freunden auf einem Bolzplatz verabredet.
     
    Etwas abgelegen in mitten von Schrebergärten und Parkanlagen ist der Weg dorthin zwar immer wieder eine Herausforderung für mich, aber was tut man nicht alles, um fit zu bleiben. Eva!!! (Anmerkung der Redaktion, ich mag die Eva)
     
    Nun gut, Feierabend, ab zum Kicken! Das heißt für mich: Helm rauf, Traudl anschmeißen und happy durch die Stadt schlängeln. 

    Basti bolzt

    Klappt alles wunderbar, ich finde den Platz sofort und stelle Tante Traudl, wie sie von Freunden auch genannt wird, neben dem Platz ab. Die Fahrräder meiner Mitstreiter sehen daneben zwar etwas mickrig aus, aber sie kommen darüber hinweg.
     
    Das Wetter ist perfekt, nicht zu kalt, nicht zu heiß. Ich kann laufen ohne Ende, Basti kann bolzen bis der Torwart weint und die Stimmung ist (bis auf den Torwart) ausgelassen wie im Urlaub. 

    Gnus und Löwen



    Dann passiert es. Neben dem Platz schleicht sich eine dunkle Gestalt herum. Beobachtet uns missgünstig und stellt sich so demonstrativ unsympathisch wie Christiano Ronaldo beim Freistoß, und so breitbeinig als würde er „Diego Dreyfuß“ heißen, neben unsere Zweiräder.
     
    Wir spielen weiter, sind aber argwöhnisch und vorsichtig. Ähnlich wie Gnus an einer Wasserstelle, wenn sie merken, dass ein Löwe sich nähert, aber genau wissen er kann sie nicht alle reißen. Wir trinken, nein spielen also weiter, bis er sich Traudl nähert. Er bemustert sie schmaläugig, kreist um sie herum und beginnt plötzlich zu schreien:



    „WEM GEHÖRT DER ROLLER HIER???“
     
    Kurz belustigt, weil die Stimme von Mister Dreyfuß doch deutlich weibischer klingt als wir vermutet haben, nähern wir uns dem Konflikt. 


    Der Konflikt:


    Jedem ist klar: Ich bin gemeint.
    Aber was tun? Ignorieren?
    Nein, dafür bin ich zu stolz. 
    Ich nähere mich mit großen Schritten, flankiert von zwei treuen Freunden.
    Da steht er und schaut mich durch eisig-blauen Augen wie Daniel Craig an, während er sagt: 

    „WEM GEHÖRT DER ROLLER?

    Ich: Der gehört mir, warum?

    Christiano Dreyfuß: Das hier ist eine Fußgänger-Zone. Im Park darf man nicht mit Rollern fahren.

    Ich: Ich hab ihn nur hier reingeschoben, damit er mir nicht geklaut wird.

    Christiano Dreyfuß: Hier dürfen auch keine motorisierten Gefährte stehen. Ich muss Ihnen einen Strafzettel über 25€ ausstellen!

    Ich: 25€?!?!?

    Er: Ja, alles was motorisiert ist, darf hier nicht fahren und stehen. Sie haben 4 Wochen Zeit zu zahlen. Danach wird’s teuer.


    Tagtraum





    Ich schau mich um, suche Rat bei meinen Freunden, auch sie zucken mit den Schultern. 
    Mein Blick schweift über eine Fahrerin eines motorisierten Rollstuhls, und frage mich kurz, ob er auch sie belangen wird. Dann gleite ich ab und überlege kurz, wie zum Teufel dann dieser Rasen überhaupt gemäht werden kann, so ganz ohne Motor.Ich stelle mir 50 schwitzende Männer vor, die in der prallen Hitze mit Sensen die Halme des so behüteten Bolzplatzes bearbeiten und wie im Gospelchor singen „Oh Lord, gib uns einen Motor! Oh Lord, gib uns Kraft“

     
    Ich überlege, Herrn Dreyfuß mit all diesen Dingen zu konfrontieren. Zu diskutieren, warum er sich dann auf einem dicken silbernen Roller durch den Park bewegen darf, den er auch noch dreist neben Tante Traudl abgestellt hat.

    Traudl-Herzschmerz

    Dann fällt mir wieder ein, dass mit männlichen Politessen zu diskutieren etwa so sinnvoll ist, wie mit beschäftigten Türstehern angetrunken über Recht und Unrecht zu philosophieren und nehme den Strafzettel in Kauf.
     
    25€. Ich überlege noch kurz, wieviele Maß Bier ich dafür rausgeschleppt habe, und trotte zurück auf den Rasen.
    Nachdem ich zu Hause war, ist Traudl nie wieder angesprungen. Man sagt, vielleicht wegen gebrochenem Herzen wegen tief verletztem Stolz.
     
    Sie fehlt mir.
    Sehr.
     
    Vielleicht könnt ihr mein Leid mit ähnlichen Anokdoten mildern, oder einfach nur meinen Artikel „liken“ oder teilen. Das würde mir gut tun.
     
    Vielen Dank, euer Martin.
    Ohne Traudl…

     

    Martin Glashauser - Redaktion
    Über Martin Glashauser - Redaktion (170 Artikel)
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