Endlich andere Musik.
  • Martin bloggt: Ein Tag als alter Mann…

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    Unheil Nummer 1:
    Es ist wahrscheinlich die Volkskrankheit Nummer 1: Der Fußball. Durch kein anderes Unheil werden jährlich mehr potente junge Männer zu wehrlosen Opfern gemacht oder gar in den Tod gerissen, wie durch  die schönste Nebensache der Welt. So wurde auch ich, als junge Hoffnung von Absolut Radio quasi dahingerafft, und musste am Mittwoch erleben, wie man sich als mit etwa 89 Jahren fühlen muss.

    Ein kurzes Protokoll:
    8:00 Uhr, ich muss feststellen, dass ich große Schmerzen in der Oberschenkel/ Leistengegend habe, und dringend zum Arzt muss. Da ich mich kaum bewegen kann, wird besonders das Ankleiden zu einer äußerst umständlichen und unansehnlichen Angelegenheit. Ich überlege kurz, ob ich eine meiner Mitbewohnerinnen zur Hilfe hole, verwerfe diesen Gedanken aber schnell wieder, um im Freundeskreis keine neuen, unbequemen Spitznamen wie Altglasmaster oder Retardo zu erhalten.

    9:00 Uhr, die Praxis meiner Hausärztin öffnet die Pforten, ich werde jedoch ca 10 Minuten zu spät eintreffen, da ich mich extrem-humpelnd nur so schnell bewege, wie Rudolf Scharping spricht. Passanten behandlen mich wie einen Unfall. Sie schauen mich bemitleidend, wenn nicht so gar beschämt an, da sie nicht wissen, ob sie hinschauen oder wegschauen sollten, und wenn sie wegschauen, wie sie es möglichst unauffällig gestalten sollen, damit es nicht angeekelt wirkt. Fühlt sich komisch an…

    10:00 Uhr: Die erste Diagnose: Kein Leistenbruch, aber schnell zum Röntgen und Kernspin. Einfacher gesagt, als getan. Ich schleife mich zur nächsten Bushaltestelle und bin fast empört, als mir im Bus kein Platz angeboten wird. Ich überlege kurz auf die Tränendrüse zu drücken, verwerfe aber auch diesen Gedanken um nicht als weinerlicher Sensiblo belächelt zu werden.

    10:30 Uhr: Ich bin im radiologischen Zentrum angekommen, und überrascht wie viel Fußmarsch man mir zumutet. Die freundlichen Arzthelferinnen und erschreckende Promi-News in der ausliegenden Bunten verschaffen mir leichte Ablenkung.

    Geröntgt zu werden klingt auch einfacher, als es sich im kletternden Zustand (bitte keine Anspielungen auf meine Körpergröße) bewältigen lässt. Ich kämpfe mich erneut durch, und nehme den weiten Weg zur Kernspinthomographie auf mich.

    11:30 Uhr: Anschauliche Informationsspots verdeutlichen mir die gefahrlose und erfahrene Kompetenz meiner potentiellen Doktoren, die rein äußerlich eher dem Typ „verrückter Vulkan-Wissenschaftler“ entsprechen.

    12:15 Uhr: Zum dritten mal an diesem Tage entkleide ich mich vor einer völlig fremden Frau. Ich verspüre dabei leichten „Woodstock-Spirit“ und mache mich halbnackt auf in die Röhre des Tomographen. Nach 15 Minuten feinstem Röhren-House, dessen enorme Lautstärke auch nicht von den lächerlichen Kopfhörern die mir aufgesetzt wurden verhindert wird, mache ich mich auf zur finalen Diagnose:

    13:00 Uhr: Muskelansatz-Prellung.
    Hä? Klingt ja gar nicht so tragisch, oder? Als ich aufzustehen versuche wird mir die Tragik jedoch wieder bewusst.

    13:00-14:00 Uhr
    Der Heimweg gestaltet sich gewohnt umständlich, und erneut werde ich von jeder Altersgruppe überholt und weiträumig umkurvt. Ich erinnere mich an eine junge Freundin von mir (Gruß an Julia), die mich in ihrem jugendlichen Leichtsinn gerne mal „alter Mann“ nennt, und hoffe bald wieder auf die Sonnenseite der Körperbeherrschung zurückkehren zu können.

    Es sind interessante Eindrücke die man erhält, und ich erinnere mich daran, Dinge wie Gesundheit und Mobilität nicht mehr als selbstverständlich anzusehen.

    Donnerstag, 8:00 Uhr: An dieser Stelle möchte ich gerne in großem Stile Werbung für Voltaren machen, denn heute geht es mir erheblich besser. Ich freue mich euch wieder einigermaßen fit erhalten zu sein und verbleibe,

    Euer Altglasmaster

    Martin Glashauser - Redaktion
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