Endlich andere Musik.
  • Worst of Eurovision 2014

    Die isländische Gruppe Pollapönk auf der ESC-Bühne (Foto: Thomas Hansens / EBU / Eurovision)

    Quelle: Thomas Hansens / EBU

    Diese Woche ist es soweit: Dienstag und Donnerstag finden die Semifinals für den Eurovision Song Contest in Kopenhagen statt. Hier entscheidet sich, wer am Samstag neben dem Gewinnerland Dänemark und den fünf großen Teilnehmerländern (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Frankreich, Italien) um die Krone der europäischen Popmusik singen darf.

    Wettbüros aus den verschiedensten Ländern der Welt sammeln bereits seit Wochen die Wetten von ESC- und Glücksspielsüchtigen – und nicht selten lässt sich daraus schon ableiten, wie letztlich auch die echte Punktetafel aussehen wird. Nicht nur Gewinner lassen sich daraus prima vorhersagen, sondern auch Verlierer.
    Und das sind die Worst 10 ESC-Beiträge in diesem Jahr. Wir arbeiten uns von „ganz hoffnungslos“ bis zum lausigen Mittelfeld nach oben hoch. Let’s get ready to Hörsturz!

    Portugal: Suzy – Quero Ser Tua

    Geht es nach den Buchmachern, ist ein Sieg von Portugal in diesem Jahr am Unwahrscheinlichsten. Das Land hatte schon in den vergangenen Kontesten ein eher schlechtes Händchen bei der Auswahl seiner ESC-Songs bewiesen und schickt uns in diesem Jahr eine freundliche Dame, die irgendwie eine Mischung aus Bettina Tietjen und Nathalie Horler zu sein scheint: Suzy singt ihr portugiesisches Gute-Laune-Lied mit einer Hand voll Trommler, die mit ihrer Kleiderauswahl nochmal andere Maßstäbe auf der ESC-Bühne setzen, als es sich der klischeebehaftete Grand-Prix-Fan wohlmöglich erhofft hätte. Übrigens: Finden Sie nicht auch, dass die Version, die wir in diesem Film zu hören bekommen, tontechnisch einfach grässlich gemischt ist? Hoffentlich klappt das im Halbfinale besser. Eigentlich ist das Teil nämlich ganz nett anzuhören.

    Georgien: The Shin & Mariko – Three Minutes To Earth

    Im Kaukasus ist alles etwas ländlicher, bodenständiger, langsamer – ist Three Minutes To Earth also, äh…
    …die georgische Ausgabe von 30 Seconds to Mars? Nun ja, bis auf eine gewisse Namensähnlichkeit hat das, was Tblissi dieses Jahr in den Song Contest verklappt hat, leider nichts gemein mit der US-Rockband. Wer Zuhause nicht gerne mal in weiten, naturfarbenen Leinenhosen rumläuft oder ein Faible für bunte Hippiekleider hat, wird vor diesem „Lied“ wahrscheinlich nur mit offenem Mund sitzen und sich vor der nächsten Taktänderung fürchten.

    Mazedonien: Tijana Dapčević – To The Sky

    Ach schauen Sie doch erstmal.

    Na? Lustige Ton-Bild-Schere zu Beginn, oder? Was uns die Balkanausgabe von PINK hier sagen will, weiß ich auch nicht. Aber irgendwas sagt mir, dass der Versuch die #Fistpump in diesem Jahr beim ESC zu etablieren, keine gute Idee war.

    Albanien: Hersi Matmuja – Zemërimi i një nate (One night’s anger)

    Ja, dieser Song klingt wirklich nach Ärger. Wie dem auch sei: Heute spielen wir das beliebte Spiel „Finde das Konzept“ – und nehmen uns dafür das Musikvideo der albanischen Teilnehmerin vor. Sollten Sie irgendeinen Ansatz von Story oder gar eine sinnvolle Interpretation dazu gefunden haben, schreiben Sie es in die Kommentare. Ich freue mich schon, nicht von Ihnen zu hören.

    San Marino: Valentina Monetta – Maybe

    Okay. ESC-Dauerkomponist Ralph Siegel und die sanmarinesische Nachwuchshoffnung Valentina Monetta haben 2012 in Baku mit ihrem „Facebook-Song“ nicht ganz so viel Glück gehabt. Dem Duo dann 2013 noch eine Chance zu geben – geschenkt. Klappte auch nicht, im Halbfinale hängengeblieben. Doch bevor er sich zur Ruhe setzt, scheint Ralph Siegel noch mal einen ESC-Kracher landen zu wollen. Und aus irgendeinem Grunde glaubt er, dass dies mit Monetta klappen wird. Also machen sich die beiden dieses Jahr noch mal auf den Weg in die Pophölle von Kopenhagen: „Maybe“ heißt der Song und maybe geht das Ding auch wieder unter. Der stampfende ESC-Schlagersound von Siegel holt höchstens noch die ewig-gestrige Hardcore-Fanfraktion ab, aber nicht mehr den Großteil der Fernsehzuschauer. „Maybe“ klingt so künstlich, plastikhaft, schmalzig und vorhersehbar, wie eine Eurovisionsballade nur klingen kann. Schade.

    Island: Pollapönk – No Prejudice

    Auf dem sechstletzten Platz finden wir Island: Die regenbogenfarbigen Herren von Pollapönk folgen einer traurigen Tradition in Island: Fast immer entscheidet man sich dafür, die Songs, die eigentlich in der Landessprache vorgetragen werden, auf Englisch umzutexten. Dabei klingt es doch wunderschön authentisch, wenn das ansonsten so sperrige Isländisch in wunderhafte Melodien gepresst wird (vgl. den Auftritt vom vergangenen Jahr). Da es in diesem Jahr aber keine wunderhafte Melodie aus Island gibt, lässt sich das mit den englischen Lyrics auch irgendwie ertragen. Die Botschaft der Band ist natürlich schön (keine Vorurteile und so), das Lied aber definitiv kein Gewinner.

    Moldawien: Cristina Scarlat – Wild Soul

    Ziemlich anstrengender Song, aber immerhin kommt in dem Video auch ein Pferd vor. Mehr weiß ich dazu leider nicht zu schreiben.

    Belarus: Teo – Cheesecake

    Ja gut, da geht natürlich einiges schief.

    Der hier auch noch recht schlecht geschminkten, weißrussischen Version von Robin Thicke wurden hier auch noch ein paar sich unbeholfen bewegende Backgroundsänger zur Seite gestellt. Sänger Teo versucht das mit noch kunstvolleren Dancemoves auszugleichen – und scheitert dabei. Hinzu kommt, dass jedes Lied, das irgendwie nach westlicher Popmusik klingen soll, aber aus dem undemokratischen Weißrussland stammt, mit einem unschönen Beigeschmack beim Zuhörer ankommt.

    Lettland: Aarzemniki – Cake To Bake

    Es ist wirklich ein drolliger Zufall, dass nach dem belarussischen Käsekuchen jetzt das lettische „Cake To Bake“ in der Liste der Buchmacher kommt. „We’ve got a cake to bake and got no clue at all“ heißt es im Text – und wenn man „cake to bake“ als Metapher für „Song Contest gewinnen“ interpretiert, dann steckt sogar ein Fünkchen Wahrheit in diesem Lied. Bitte hören Sie doch selbst.

    Und wie der Frontsänger am Ende dieses Videos seine Kollegin in den Arm nimmt, das hat schon was vorausschauendes, in etwa „Macht doch nichts, es wird alles gut, in einer Woche kennt uns keiner mehr“.

    Litauen: Vilija Matačiūnaitė – Attention

    Die gewünschte Aufmerksamkeit wird Vilija sicherlich bekommen – die begehrten 12 Punkte aber eher nicht. Die Krachparade aus Litauen ist ebenfalls ein heißer Anwärter auf einen der hinteren Plätze, auch wenn Alice Schwarzer wahrscheinlich jubelt, wenn sie Frau Matačiūnaitė sich auf ihren Tänzer raufsetzen sieht.

    Wir lernen, auch in diesem Jahr machen die grausamen, schlechten, trashigen oder einfach nur langweiligen Kandidaten wieder die Würze in der Eurovisionssuppe aus. Am Dienstag und Donnerstag werden wir wissen, welche Songs ins Finale kommen. Dann küren wir vorher noch die Top 10 im „Grand Final“. Und mit etwas Glück sind sogar ein paar wirklich schöne Lieder dabei.

    Anmerkung: Die Platzierung bezieht sich auf die Auflistung von oddschecker.com vom 4. Mai 2014.

    Daniel Kähler
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