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  • Best of Eurovision 2014

    Diese Kandidaten können sich am meisten Hoffnungen auf den ESC-Sieg machen

    Quelle: Sander Hesterman (EBU). Die Gruppe Softengine aus Finnland beim ESC 2014 ist ins Finale eingezogen.

    Quelle: Sander Hesterman (EBU). Die Gruppe Softengine aus Finnland beim ESC 2014 ist ins Finale eingezogen.

    Eins vorneweg: Ich bin kein Freund der als „typisch deutsch“ verschrienen Schwarzmalerei: Auch während der ersten Tage der ESC-Saison 2010 wurden von den verschiedensten Internet-Kommentatoren einer gewissen Lena die hintersten Plätze prophezeit. Wie wir wissen, kam es genau andersherum. Auch in diesem Jahr gibt es sie wieder, die selbsternannten Eurovisions-Experten (wie mich zum Beispiel), die meinen zu wissen, dass Elaiza es nicht unter die Top 10 schaffen werden.

    Dennoch: Zu den Favoriten gehören sie, gerade nach den ersten beiden Halbfinals nicht. Gerade die gestrige Show zeigte schon, wer sich bereits prophylaktisch dringender nach einer möglichen Austragungshalle umsehen sollte.

    Niederlande: The Common Linnets – Calm After The Storm

    Das war und ist für viele Beobachter eine kleine Überraschung. Und das, obwohl es doch nahezu lebenswichtig für jede Ausgabe des ESC ist: Jede Saison braucht ein paar Hits, die sich vom Pop-Plastik-Gekrache der übrigen Länder abheben und den Ohren drei Minuten Entspannung bescheren. Die Niederlande scheinen sich ab jetzt mit dieser Aufgabe ganz wohl zu fühlen. Im letzten Jahr erst legte Anouk mit ihrem Song „Birds“ einen guten neunten Platz hin – und bot einen reinigenden, weil nicht mit den üblichen Akkorden gespickten Titel (den man sich hier ruhig noch mal anhören kann).

    2014 machen das „The Common Linnets“, eine zweiköpfige Band, die vorher noch nie irgendeine andere Single, geschweige denn ein Album auf den Markt gebracht hat. Dennoch, mit ihrem Titel, der sich an die im Moment noch gängige Folkwelle anlehnt, konnten sie das Publikum überzeugen. Und bei den Buchmachern liegen sie manchmal sogar auf dem ersten Platz. Viel Glück, liebe Niederlande! Ihr habt’s mal wieder verdient!

    Österreich: Conchita Wurst – Rise Like A Phoenix

    Zu Frau Wurst muss nicht mehr viel gesagt werden – der Titel der Drag Queen tingelte inzwischen schon durch verschiedene deutsche TV-Magazine. Man kann das Auftreten, die Stimme und das ganze Drumherum mögen oder nicht, man muss jedoch eines anerkennen: Der Auftritt beim Semifinale am Donnerstagabend war an Perfektion kaum zu übertreffen. Da stimmte vieles, wenn nicht sogar alles. Auch wenn es für die Österreicher nach Jahren der ESC-Abstinenz wegen Unzufriedenheit mit den bisherigen Platzierungen ein wenig ungewohnt klingen mag: Ja, ihr seid auch einer der Favoriten. Ob es dann letztlich wirklich auf einen der vorderen Plätze des Treppchens reichen wird?

    Malta: Firelight – Coming Home

    Glücklich dürfte man auch auf der Mittelmeerinsel Malta gewesen sein, als gleich zu Beginn der Ergebnisverkündung die rot-weiße Flagge auf den Bildschirmen erschien: Das sind nicht Mumford & Sons, die da einen netten, country-esquen Titel performen (und das stimmlich größtenteils auch hinbekommen), nein, das ist noch eine recht frische maltesische Formation. Ob’s ein Sieger wird, ist ungewiss. Auf jeden Fall kann man froh sein, sich würdig beim Grand Prix vertreten zu haben. Gerade in den vergangenen Jahren war das ja nicht immer so (Videobeweis eins, zwei, drei, vier).

    Schweiz: Sebalter – Hunter Of Stars

    Ein Felsbrocken dürfte den Eurovisions-Verantwortlichen in der Schweiz vom Herzen gefallen sein: Der sympathische Tessiner Sebalter hat es ins Finale geschafft – eine Hürde, die die Schweiz in den vergangenen Jahren häufig gerissen hatte. Seit der Einführung der Semifinals schaffte es nur 2011 die lustige Anna Rossinelli – um im Finale dann den letzten Platz zu belegen. ZU UNRECHT! ZU UNRECHT! ZU UN… ich schweife ab.

    Kurz gesagt: Sebaltar hat sich nach seinem Auftritt im Schweizer Fernsehen nochmals steigern können, traf ziemlich viele Töne und lässt auf eine gute Platzierung hoffen. Das wäre auch ein schönes (ESC-)Signal für die Schweizer.

    Zwei Big-Five-Favoriten: Spanien und Großbritannien

    Im Gegensatz zu weiteren schönen Beiträgen aus den ersten beiden Semifinals, also etwa den noch ziemlich jungen Jungs von Softengine aus Finnland (hier angucken) oder dem Riesenfavoriten Aram MP3 aus Armenien (der bei seinem Liveauftritt nicht so überzeugte, wie man es erwartet hatte) sowie der Ukrainerin mit ihrem eingängigen Lärmtitel Tick-Tock (Klick-klock hier, um’s zu hören), gibt es auch ein paar Songs der „Big Five“, also jener Länder, die bereits für das Finale qualifiziert sind. Live haben wir die natürlich noch nicht sehen können. Da wäre zum Beispiel Großbritannien (darf auf dem letzten, begehrten Startplatz starten, könnte daher bei den Zuschauern besonders im Gedächnis bleiben) mit dem neuesten, recht edel klingenden zwei-Songs-in-einem-Gemisch…

    …oder die Spanierin Ruth Lorenzo, die, wenn sie beim Liveauftritt mit ihrer Stimmgewaltigkeit zurecht kommt, viele Zuschauer zum Abstimmen bewegen dürfte.

    (Und dann ist da auch immer noch die dänische Version von Bruno Mars. Auch ganz witzig. Aber auch ganz schön Weichgeschleudert. Dubidubiwapp-wapp-dubibdai.)

    Meiner Meinung nach war der Sieger vor der Veranstaltung in den vergangenen Jahren so unklar wie an diesem Wochenende. Die Augen und Ohren gehen ein bisschen in Richtung Österreich – aber kommt eine Drag Queen in allen Staaten Europas so gut an, dass man für sie anruft – und noch wichtiger, gefällt allen der Song? Kann Armenien doch noch genügend Punkte zusammenklauben, wenn sich Aram MP3 seine Stimmbänder vorher massiert? Oder gelingt den Niederländern sogar die Sensation, mit der niemand gerechnet hat?

    Willkommen in der Welt des Eurovision Song Contest. Viel Spaß beim Zuschauen, Samstag, 21.00 Uhr. Und wünschen wir unseren Vertreterinnen viel Glück – auf Startplatz 12, gleich nach Österreich. Vielleicht färbt ja ein wenig Favoritenfeeling auf Elaiza ab.

    P.S: Sollten Sie kein ESC-Fan sein und gar nicht wissen, worum es geht: Buzzfeed.com hat ganz ironiefrei mal aufgelistet, was dieser Grand Prix eigentlich ist…

     

    Daniel Kähler
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