Endlich andere Musik.
  • Julia Schramm im Interview

    julia schramm

    Julia Schramm, Autorin, Bloggerin und Mitglied im Bundesvorstand der Piratenpartei ist derzeit heiß in den Medien diskutiert. Schon seit langem bloggt die 26 jährige auf juliaschramm.de über alles was sie so bewegt.

    Aktuell hat Sie das Buch „Klick mich – Bekenntnisse einer Internet-Exhibitionistin“ veröffentlicht und steht damit in den Schlagzeilen.

    Wir haben mit Julia Schramm über Ihre Person und Ihre Tätigkeiten als Bloggerin und Autorin gesprochen. Außerdem erklärte sie uns das Vorgehen des Verlags gegen die Weiterverbreitung ihres Buches und sprach mit uns über Hetzkampagnen, Ihr Buch und Sex im Netz.

    Hier Auszüge aus dem Gespräch:

    Über was bloggen Sie?

    Über alles was mich so bewegt, Politik, Philosophie, Feminismus, ab und zu poste ich auch Prosa und Lyrik und eben Piratensachen.

    Worüber würden Sie bloggen bevor die Welt untergeht?

    Wahrscheinlich darüber, was an der Welt schön war

    Die längste Zeit offline war für sie ?

    Das war bestimmt schonmal eine ganze Woche, manchmal unfreiwillig, weil im Ausland das Netz einfach nicht stimmte, manchmal aber auch, weil ich mal nicht online sein wollte.

    Wenn Sie Königin von Deutschland wären?

    Dann würde ich das Schulsystem ändern. Es geht an der Realität der Kinder vorbei, führt dazu, dass Kinder ausgeschlossen werden und ist starr, unflexibel und nicht zeitgemäß.

    Warum sind Sie in die Politik gegangen?

    Aus Überzeugung. Für mich war es aber auch erstmal wichtig zu sehen, wie Politik praktisch funktioniert. Ich habe Politikwissenschaften studiert,  mich damit theoretisch viel beschäftigt und mich jetzt die letzten zwei Jahre sehr intensiv mit der Praxis auseinandergesetzt. Außerdem ist es sehr spannend. Zwar sind die Möglichkeiten ja immer sehr begrenzt, aber man kann durchaus viel erreichen, man kann Leute begeistern, man kann Menschen das Gefühl geben, dass man etwas verändern kann, zumindest haben das die Piraten auch geschafft und das hat auch sehr Spaß gemacht. Aber ich werde nach der Zeit im Bundesvorstand erstmal kürzer treten und mich zurückziehen.

    Heißt das gar keine Politik mehr oder weniger?

    Weniger, ich habe jetzt mit dem Amt als Bundesvorstand extrem viel zu tun, deshalb blogge ich im Moment auch sehr wenig und gerade das bloggen vermisse ich auch, und es ist ja auch ein Buch von mir erschienen. Deshalb werde ich künftig einfach nicht mehr so explizit Verantwortung übernehmen. Momentan ist das zwar sehr gut und ich mache es gerne, aber das hat für mich eine Grenze.

    Hat die Entscheidung auch etwas mit dem Buch und der daraus folgenden Diskussion zu tun? Wie sehr zerrt das an Ihnen?

    Es geht, die Entscheidung habe ich schon Monate zuvor unabhängig von dem Buch getroffen und schon bei meiner Wahl ganz klar gesagt, dass ich für keine zweite Amtszeit zur Verfügung stehe.

    Diese Art wie jetzt im Netz mit mir umgegangen wird hatte ich erwartet. Es ist natürlich auch eine Gratwanderung, weil es sehr viele Hardliner gibt, die sagen alles mit Kultur muss frei zur Verfügung stehen. Das ist aber nie meine Position gewesen. Meine Position ist gewesen, dass man eine Infrastruktur schafft, wo Menschen gut an Kultur herankommen und ohne Probleme digital erwerben können.

    Die Darstellung der Piratenpartei als Freibierpartei, etc. ist natürlich sehr Schade und falsch, weil wir ja eigentlich eine sehr differenzierte Meinung haben. Ich denke, dass man durchaus mit Kunst und Kultur Geld verdienen kann, aber eben nicht grenzenlos. Das heißt ich will zum Beispiel nicht, dass mein Verlag kostenpflichtige Abmahnungen verschickt, solange es sich um normale Nutzer handelt. Wenn jetzt natürlich jemand das ganze im halbkommerziellen Stil verbreitet, geht der natürlich dagegen vor. – So ist halt das Geschäftsmodell.

    Aber die Reaktionen im Netz waren vorauszusehen?

    Ja die Leute schreiben jetzt wie schlecht alles ist und sprechen von Verrat. Ich denke, dass wir in den letzten Monaten so oder so viele Probleme bei den Piraten hatten und jetzt findet eben auch eine Desillusionierung statt. – Dass wir eben nicht nur Kostenloskultur/Freibierkultur, sondern rationale und pragmatische Ansätze im Urheberrecht verfolgen. Das ist ein Prozess an dem man jetzt auch lernen muss.

    Müsste in diesem Fall eine klarere Trennung zwischen Ihrem Autorendasein und dem als Politikerin stattfinden?

    Einerseits kann man es nicht vermischen, andererseits muss man es wohl. Es ist klar, dass es relevant ist wie ich mein Geld verdiene, es ist relevant in welchen Kreisen ich mich bewege, etc.

    Ich finde es schade, dass ich so niedergemacht werde. Bei anderen wird dieses TamTam nicht veranstaltet. Es ist kein Piratenbuch, sondern ein Buch über mein Leben im Netz. Es gibt viele Menschen denen das Buch gefällt und es gibt Menschen die das Buch ganz furchtbar finden. Anders wäre es ja auch Schade.

    Sehen sie auch eine Hetzkampagne dabei?

    Vieles der Kritik nehme ich gerne an und auch absolut ernst. Und ich habe mich auch dafür eingesetzt, dass wir die bisherige Abmahnpraxis nicht so weiterführen. Aber zum Beispiel das Vorurteil, dass ich geistiges Eigentum als ekelhaft bezeichnet habe stimmt nicht. Ich hatte den Begriff als ekelhaft bezeichnet, weil er missbraucht wird, um das Netz einzuschränken. – In Form von Netzsperren, Vorratsdatenspeicherung, horrenden Abmahnungen etc. Und ich habe es als ekelhaft bezeichnet, dass das Handelsblatt die Kampagne gestartet hat „Mein Kopf gehört mir“. Das ist das was ich nicht vertrete. Ich habe meinen Text an einen Verlag verkauft und damit auch die Rechte. Und ich bin froh, dass der Verlag eben nicht alle juristischen Mittel ausnutzt und nur bis zu einem gewissen Grad gegen die Weiterverbreitung des Buches vorgeht.


    Aber in der Politik darf man seine Meinung auch mal ändern, oder?

    Naja in Sachen Datenschutz habe ich sie geändert, oder bei der Frauenquote. Aber beim Urheberrecht habe ich von Anfang an immer gesagt: „Hey Leute es ist okay, wenn ihr damit Geld verdienen wollt, ich möchte auch dass man für Bücher bezahlt und ich selbst tue das auch.“

    Sie sprechen in Ihrem Buch viel über virtuellen Sex, etc…..

    Die Pornografisierung im Netzes ist ja schon Realität und ich kritisiere das ja auch. Die Strandszene in meinem Buch ist natürlich höchst satirisch. Ich schreibe ja selbst, dass das Rosamunde-Pilcher-Pornografie ist. Es ist ja auch eine Kritik an dem Frauenbild. Außerdem demonstriere ich den Kontrollverlust, weil ich die Kontrolle und Manipulation des Gegenübers auch in dem Moment genieße, was auch wiederum eine sexuelle Dimension hat.

    Ich glaube, dass diese Form, eben auch Sexualität im Netz auszuprobieren, wunderbar ist, um zu sehen, wo sind meine Grenzen, was möchte ich, was interessiert mich. Auf der anderen Seite müssen wir jungen Menschen auch vermitteln – und das ist für mich die eigentliche Form von Jugendschutz – dass sie damit kritisch umgehen, dass ihre eigenen Grenzen auch ziehen und sie finden. Und dazu müssen eben die richtigen legalen Angebote geschaffen werden. Gucken wir doch mal die Plattformen an, wo Serien, etc. Angeboten werden. Die werden mit pornografischer Werbung finanziert. Darüber müsste viel stärker geredet werden, ob es Jugendschutz ist, wenn legale Angebote geschaffen werden. Ich hab damit echt manchmal ein Problem, wenn ich auf Streamingseiten geh und mir dann erstmal eine Vagina entgegenkommt.

    Wir haben mit Julia Schramm noch über ein paar weitere Themen gesprochen und werden das Skype-Interview zeitnah posten.

    Patrick Mayr
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