Endlich andere Musik.
  • Der japanische Vinyl-Zauberer

    Laser-Plattenspieler

    Quelle: ELP

    Ein Vorort Tokyos. Ein kleiner, japanischer Herr mit nur wenigen, grauen Haaren radelt den Bürgersteig entlang, bis er zu einem kleinen Gebäude kommt, an dem die Buchstaben „ELP“ angebracht sind. Dies ist die Firma des japanischen Vinyl-Zauberers.

    Plattenwunder aus Tokyo

    Zugegeben, Sanju Chiba ist eher Geschäftsmann als Magier, doch was er und seine Mitarbeiter in Saitama schon seit 1989 produzieren, ist für Audiophile und Liebhaber von gutem Vinyl-Klang ein echtes Wunder. Chiba zeichnet sich für einen Plattenspieler verantwortlich, der ohne Nadel auskommt, der die Rillen der Platten gar nicht berührt. Möglich macht dies ein spezieller Laser, der die Rille abtastet und somit sicherstellt, dass die empfindliche Vinylscheibe nicht durch häufiges Abspielen oder Fremdkörper beschädigt wird. Gerade Besitzer von seltenen oder teuren Schallplatten wissen diese Erfindung zu schätzen.

    Unterschätzte nicht den Vinyl-Virus

    Als Sanju Chiba anderen japanischen und amerikanischen Firmen vor vielen Jahren das Konzept des „Laser Turntables“ präsentierte, schüttelten die nur den Kopf. Zu teuer in der Produktion sei das Gerät und keine Abnehmer würden sich finden, schließlich trat gerade die CD ihren Siegeszug an. Doch diese Firmen unterschätzten den Kultstatus, den die Schallplatte in den vergangenen Jahren erreicht hatte – und den Vinyl-Virus, der in vielen Musikliebhabern auch den Boom um MP3-Dateien und iPods überlebte und der besonders Indie-Fans auch im 21. Jahrhundert noch immer ansteckt. Und so verkaufte die kleine, japanische Firma 2006 bereits den tausendsten „Laser Turntable“. Inzwischen haben fast nochmals 1000 die kleine Fabrik verlassen und stehen bei HiFi-Enthusiasten in aller Welt.

    Mit Laserkraft für guten Klang

    Das Geheimnis des Laser-Plattenspielers begründet sich in der Abtaststelle. Durch zwei Laserstrahlen anstatt einer vergleichsweise starren Nadel wird vermieden, dass es bei der Wiedergabe hängt, springt oder übermäßig verzerrt. Außerdem tastet der Laser die Plattenrille an einer Stelle ab, die von herkömmlichen Nadeln nicht berührt wird. Das bedeutet, dass Platten, die möglicherweise durch Nadeln beschädigt wurden, im Laser-Plattenspieler dennoch gut klingen.

    Wer nun denkt, der Chef der Firma, die nadellose Plattenspieler herstellt, würde nur auf analoges Audio schwören und digitale Technologien verabscheuen, der irrt. „Digitale und analoge Musik kann man nicht vergleichen“, sagt Sanju Chiba. „Digitale Dateien sind ideal zum Abspielen unterwegs. Das ist bei Platten nicht so einfach, schon gar nicht mit meinem Gerät. Das wiegt 19 Kilo!“

    Harmonie und Friede per Schallplatte

    „Aber der natürliche Klang einer Schallplatte hat so etwas Friedliches“ schwärmt Chiba und legt in seinen in Handarbeit gefertigten Laser-Plattenspieler eine Single ein, die in dem Gerät verschwindet wie eine CD im Laufwerk eines Computers. Wenig später schallt Musik aus den angeschlossenen Boxen und Sanju Chiba beginnt vor lauter Freude und Harmonie wahrscheinlich von einer japanischen Blumenwiese zu träumen, auf der acht Geishas zusammen mit mehreren Einhörnern einen lieblichen Tanz zelebrieren, während sich alle Menschen und Tiere auf der Welt innigst lieben. Hach, das ist der Zauber der Platten.

    Hörbeispiel

    Wie sich ein „Laser-Turntable“ im Vergleich zu einem herkömmlichen Gerät anhört, der kann auf der Webseite der Firma in ein paar Beispieldateien reinhören.
    Meiner Meinung nach lassen sich zwar durchaus Unterschiede in der Tonqualität ausmachen. Gerade bei eigentlich unanhörbaren, weil beschädigten Tonträgern scheint die Lasertechnologie zu zeigen, was sie kann. Doch die 7140 Euro für das günstige Plattenspielermodell sind mir dann doch etwas zu viel. Mein Standardplattenspieler kommt vom Flohmarkt und hat 15 Euro gekostet. Der leistet auch noch gute Dienste.

    In diesem Sinne,

    Euer Daniel

    P.S.: Mehr Informationen findet ihr unter www.elpj.com

    Daniel Kähler
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