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  • Der Schmuggel mit den Schallplatten

    Schmuggel mit Vinyl by Absolut RadioNicht umsonst heißt die Vinylplatte „das schwarze Gold“

    Die Bezeichnung „das schwarze Gold“ für Schallplatten kommt nicht von irgendwo, denn es gab auch Zeiten, in denen Vinyl regelrecht geschmuggelt wurde, unter einigen als Währung galt und somit auch mehr Bedeutung als das Geld selbst hatte.

    Auch heute gibt es natürlich noch Sammler, die ihre Lieblings-Scheibe für kein Geld der Welt verkaufen würden.

    Ihre Platte bedeutet ihnen mehr als alles andere, egal ob aus nostalgischen oder emotionalen Gründen.

    Vor nicht allzu langer Zeit war der Musikfreund froh, wenn er überhaupt an das Vinyl aus seinen Träumen heran kam.

    Beispiel DDR

    Natürlich gab es im Osten auch Plattenläden. Nur was diese verkauft haben war nicht unbedingt das, was die Leute auch haben wollten. Vieles aus dem Westen galt schlicht als Dreck und wurde als Schande angesehen. Einige SED-Bosse trauten der Rock-Musik so ziemlich alles schlechte zu, was man sich nur vorstellen kann.

    Sie manipuliert die Jugend, lenkt die Bürger von den schlechten Zielen der Imperialisten ab, oder will sie gar auf ihre Seite locken. Die Rolling Stones waren verboten, viele andere Bands standen auf dem Index und durften nicht auf Vinyl gepresst verkauft werden.

    Repression – als Mittel Musik zu verbannen – funktionierte sehr schnell nicht mehr. Heftiger denn je entstand das Verlangen nach dem schwarzen Gold, nach der neuen Form von Kultur. Eingeführt werden durften nur Scheiben, die als wertvolles Kulturgut bezeichnet werden konnten. Dazu zählte vielleicht Bach oder Beethoven, sicherlich aber nicht „Schools Out“ von Alice Cooper, „Sympathy for the Devil“ von den Stones oder „Lucy in the Sky“ von denBeatles.

    Der Platten-Dealer

    Wo ein Wille ist ist auch ein Weg, dachte sich natürlich auch die Jugend und gründete regelrechte Plattenringe, die organisiert die West-Musik ins Land schleusten. Auch die Rentner wurden zum Teil in die Dealer-Geschäfte mit reingezogen. Manche von ihnen schmuggelten die Platten nach einem West-Besuch in die DDR. Weil sie wussten, nicht so akribisch gefilzt zu werden, wie die jüngeren Bürger, oder weil sie nicht wussten, dass diese ihnen die Platten in den Koffer steckten.

    Vinyl ist kostbar

    Heute kann man sich kaum vorstellen für Musik so viel Geld auszugeben, doch Schallplatten, die in der DDR als verbotene Einfuhr eingestuft wurden, kosteten den echten Fan sogar mehr als eine Monatsmiete. 150 Ostmark war laut Berichten eine der Preiskategorien. 75 Ostmark zahlten andere für ihr warmes Dach über dem Kopf. Und wenn es mal eine geile LP tatsächlich zu kaufen gab, dann oft in einer so geringer Auflage, die eine Schlange vor dem Musikgeschäft von mehreren hundert Metern zu Folge hatte.

    Schön umgesetzt wird das Thema auch im Film Sonnenallee, in dem die Darsteller ein gefühltes halbes Leben auf ihre Platte vom Schwarzmarkt gespart haben. Die Scheibe dann in der Hand zu halten brachte sie natürlich vollkommen in Extase.

    Patrick Mayr
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